")})}else Z(e)?e.top.open(d,o):e.location.assign(d)}function Y(e){e.style.setProperty("display","inherit","important")}function K(e){return e.height<1}function _(e,d){return 0==d.offsetHeight&&0!=e.offsetHeight}function O(e){return 0==e.offsetHeight}function V(e,d){var o="";for(i=0;i=2)){var i=o.getBoundingClientRect();if("undefined"==typeof o.width)var r=o.offsetHeight,h=o.offsetWidth;else var r=o.height,h=o.width;if(0!=r&&0!=h){var a=i.left+h/2,u=i.top+r/2,l=d.documentElement,p=0,s=0;if(e.innerWidth&&e.innerHeight?(p=e.innerHeight,s=e.innerWidth):!l||isNaN(l.clientHeight)||isNaN(l.clientWidth)||(p=d.clientHeight,s=d.clientWidth),0<=u&&u<=p&&0<=a&&a<=s){if(e.uabAv[n]++,e.uabAv[n]>=2){var f=function(){};T(t,f,f),e.clearTimeout(e.uabAvt[n])}}else e.uabAv[n]=0}}}e.UABPdd=H;var G=I("head"),F=null;navigator.userAgent.search("Firefox")==-1&&(d.addEventListener?d.addEventListener("DOMContentLoaded",z,!1):d.attachEvent&&d.attachEvent("onreadystatechange",function(){"complete"===d.readyState&&z()})),e.addEventListener?e.addEventListener("load",z,!1):e.attachEvent&&e.attachEvent("onload",z),e.addEventListener?e.addEventListener("addefend.init",z,!1):e.attachEvent&&e.attachEvent("addefend.init",z)}(window,document,Math); /* 3a5c75b490572c1e1694db187d06fe83 */

Kultur : Kurzmeldungen

„Juden regieren die Welt“: Der malaysische Premier hält eine antisemitische Rede, und die arabische Welt jubelt. Ein Fall, der in Deutschland wenig Beachtung findet Falsche Freunde

Caroline Fetscher

Vierzehn Tage, nachdem der Parlamentarier Martin Hohmann in Hessen eine Rede hielt, die nun seinen Ausschluss aus der CDU zur Folge hatte, erhielt eine andere Rede begeisterten Beifall. Nicht in der deutschen Provinz, sondern auf dem Weltgipfel islamischer Staaten, der Organisation of Islamic Conference Countries (OIC) im malaysischen Putrajaya. Am 16. Oktober sprach dort der Gastgeber und scheidende Premierminister Mahathir Mohamad vor Hunderten von Staatsgästen von den weltweiten unterdrückten und gedemütigten Muslimen und machte die Ursache dafür weniger in totalitären und autoritären Staaten aus als bei den Juden als Hauptverursachern dieses Elends. Seine antijüdischen Ressentiments stießen in den USA, von Kanada bis Australien auf Empörung, während sie in Deutschland kaum wahrgenommen wurden. Doch Mahathirs Rede sollte uns interessieren.

Vor Delegierten aus 57 islamischen Ländern rief Mahathir Muslime zum Zusammenhalt auf – gegen Europa, gegen „die Juden“. „Wir sind 1,3 Milliarden Menschen. Wir haben die größten Ölreserven der Welt. Wir haben Vermögen und verstehen viel von Finanzen und Wirtschaft!“, feuerte Mahathir sein Publikum an, ehe er ihm „Tatsachen“ vor Augen hielt: „Die Europäer haben sechs von zwölf Millionen Juden ermordet. Dennoch regieren die Juden heute durch Stellvertreter die Welt. Sie bringen andere dazu, für sie zu kämpfen und zu sterben.“ Sie hätten „2000 Jahre an Pogromen überlebt, nicht indem sie zurückschlugen, sondern indem sie nachdachten.“ Diese Leute, so Mahathir, hätten der Welt einiges eingebrockt: „Juden haben den Sozialismus, den Kommunismus, die Menschenrechte und die Demokratie erfunden und erfolgreich vorangebracht. Deshalb werden sie nicht verfolgt, deshalb genießen sie dieselben Rechte wie andere (...). Diese kleine Gruppe ist zur Weltmacht geworden.“

Auch Hohmann hatte das seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Stereotyp bemüht, „dass an der Wiege des Kommunismus und Sozialismus jüdische Denker standen“. Mahathir sieht da einen Ausweg: „In letzter Zeit sind sie aufgrund ihrer Macht und ihres offensichtlichen Erfolges arrogant geworden, und arrogante Leute machen Fehler (...) Es wird für uns jetzt und in Zukunft Chancen geben, die es zu ergreifen gilt.“ Spätestens hier müssen in einer politisch aufmerksamen Öffentlichkeit alle Alarmglocken schrillen.

Von der Affinität einer bestimmten Richtung des modernen Islam zum Antisemitismus hatte auch Jürgen Möllemann profitiert: Er war in der deutsch-arabischen Gesellschaft aktiv und dort gerne gesehen. Jedenfalls ist es gefährlich, die in islamischen Ländern zunehmenden antijüdischen Phantasmagorien zu unterschätzen. Denn obwohl sich Mahathirs Rede wie eine paranoide und raffinierte Satire ausnimmt, belohnten die in Putrajaya Anwesenden sie mit stehenden Ovationen. Unisono freuten sich syrische wie saudi-arabische Kommentatoren über „die wahren Worte“. Jemens Außenminister Abu Bakr Al Qirbi erklärte, die Rede habe „Fakten benannt“. Afghanistans Präsident Hamid Karzai sah „keinerlei Antisemitismus“ am Werk. Und der ägyptische Außenminister verteidigte die Rede ebenso wie Irans Präsident Chatami, der sie als „brillant und logisch“ lobte. Diplomatischer äußerte sich Pakistans Musharraf: Er glaube nicht, dass Mahathir „zum Krieg gegen Juden aufrufen wollte“, und in Quatar bedauerte der Sender Al Dschasira, wer Israel kritisiere, werde zum Antisemiten abgestempelt.

In Deutschland reagierte lediglich das Auswärtige Amt mit einer starken, offiziellen Rüge. Die Medien schwiegen weitgehend, Mahathir habe am Ende seiner Amtszeit nochmals „für viel Getöse gesorgt“, befand die „Süddeutsche Zeitung“ lediglich; laut „FAZ“ wird „der überzeugte Multkulti-Prediger auch als Hetzer gegen die ,jüdische Weltherrschaft’ in Erinnerung bleiben“.

Wo der Vortrag eines Hinterbänklers wie Martin Hohmann als „lupenreines Exempel“ (Wolfgang Benz) für antisemitische Stereotypien erkannt wird, müsste die Begeisterung arabischer Staatschefs über die skandalöse Brandrede eines ihrer Kollegen eigentlich ebenfalls ein Topthema sein. Denn es gilt, ein fatales Missverständnis auszuräumen. Viele islamische Länder, in denen die Juden als Sündenböcke für globale Missstände herhalten sollen, sympathisieren noch immer mit Deutschland als vermeintlichem Verbündetem in Sachen Antisemitismus. Mit „den Europäern“, die sechs Millionen Juden ermordeten, meinte Mahathir eben die Deutschen, die den Antisemitismus während der NS-Zeit gezielt in arabische Länder, etwa in den Irak exportierten.

Tatsächlich ist der arabische, der islamische Antisemitismus jüngeren Datums als der europäische. Jahrhunderte lang erhoben sich Synagogen von Marokko bis Djerba und Bagdad friedlich neben Moscheen. Dass von der antisemitischen Allianz Deutschland-Islam noch etwas übrig sei, ist weitgehend eine anachronistische Fehleinschätzung. Durch Deutschlands Weigerung, an Amerikas Feldzug „gegen Muslime, für Israel“ teilzunehmen, erhielt diese Fehleinschätzung gleichwohl noch einmal Nahrung. Seit der Gründung des Staates Israel entstanden in der muslimischen Welt Verschwörungstheorien und Projektionen, denen entgegenzutreten besonders in Deutschland wichtig ist. Wer hierzulande mit Antisemiten ins Gericht geht, muss auch nach außen starke Signale senden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben