Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Heute kommt Thomas Heises „Vaterland“, der schon seit einem Jahr erfolgreich durch Festivals tourt (siehe auch Kritik auf dieser Seite), endlich ins Kino. Zusätzlich zeigt das Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz zwei frühere Arbeiten des Dokumentaristen. Beide sind damals im Auftrag der Staatlichen Filmdokumentation der DDR entstanden und zeigen Einrichtungen der Berliner Verwaltung bei ihrer Arbeit. Während Volkspolizei (1985, am Dienstag) mit der Innenansicht einer Wache erstaunliche Parallelen wie notwendige Korrekturen zum fernsehvertrauten Volkspolizei-Alltag anbietet, begibt sich Das Haus (1984, Montag) in das markante Berolina-Gebäude am Alex, wo die Bezirksverwaltung Mitte untergebracht war. An nur sieben Drehtagen wurden hier Verwaltungsalltag und Bürgereingaben, Hilfsbegehren und Zwangszuführungen dokumentiert, wobei die exakten Drehzeiten einer nur technisch begründeten Auswahl unterlagen. Höhepunkt ist eine Hochzeitsfeier, deren leichenstarres Ritual heute eher hysterisches Gelächter und Entsetzen auslösen dürfte.

Der Anspruch von Heise und Kameramann Peter Badel, über den unmittelbaren Auftrag hinaus auch ein Filmdokument für spätere Zeiten zu liefern, wurde durch ihre Arbeit überzeugend eingelöst. Und er hat sich vielleicht früher als erwartet realisiert. So zeigt uns „Das Haus“ heute, nach nicht einmal 20 Jahren, wie peinlich in der Endphase der DDR staatliche Fürsorgeversprechen und tatsächliche anbiedernde Bevormundung aufeinander trafen.

Vielleicht sahen die Verantwortlichen ja damals selbst das Unheimliche ihres Gespenstertheaters. Öffentlich vorgeführt wurde „Das Haus“ jedenfalls erstmals vor zwei Jahren. Doch war eine solche Arbeit ursprünglich nicht zur unmittelbaren Veröffentlichung bestimmt. Einen ganz anders gelagerten Fall von Filmzensur dokumentiert eine DVD, die heute Abend im Potsdamer Filmmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Der Film Die Schönste , 1957 von dem Südtiroler Regisseur Ernesto Remani in Babelsberg hergestellt, sollte ein in West-Berlin angesiedeltes kapitalismuskritisches Unterhaltungsstück werden, geriet dann aber unter der Hand von Defa-Szenenbildner Alfred Hirschmeier so prächtig, dass selbst die Lebensumstände der braven Chauffeursfamilie schon sozialistischen Neid hätten hervorrufen können. So wurde ein anderer Regisseur an die Korrektur gesetzt, und so verschwanden die Obstschalen und Schampusflaschen aus der Arbeiterküche.

Es gab sogar die Idee, der opulenten Exportversion fürs einheimische Volk eine Schwarz-Weiß-Variante entgegenzusetzen. Umgesetzt wurde das allerdings nie. Und auch die von Walter Beck realisierte Zensurfassung blieb im Archiv, bis sich die Defa-Stiftung 2001 an die Aufarbeitung machte. Dokumentiert wird sie in zwei Kinoversionen und nunmehr auf DVD. Dieses Medium macht in diesem Fall besonders Sinn, da sich nun beide Fassungen bequem vergleichen lassen, ohne das Gedächtnis übermäßig zu strapazieren.

Neben den Vollversionen beider Filme bietet das Menü eine Zusammenstellung der geänderten Szenen, das Original-Drehbuch und eine Dokumentation der Produktions- und Restaurierungsgeschichte. Präsentiert wird die DVD von Brigitte Miesen von der Vertriebsfirma Icestorm und Ralf Schenk, der das Projekt für die Defa-Stiftung betreut hat.

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