Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Nicht alles, was früher einmal Erfolg hatte, kehrt wieder. So scheint die Verbindung zwischen Film und Oper völlig abgebrochen zu sein. Noch in den achtziger Jahren hat es respektable Versuche gegeben, aus Placido Domingo und Luciano Pavarotti Leinwandstars zu machen. Vor ihnen sorgten Mario Lanza, Benjamino Gigli, Richard Tauber und Jan Kiepura für volle Kinosäle. Doch eine Renaissance, wie sie dem Musical beschieden war, ist beim Opernfilm unwahrscheinlich.

Eine gefeierte Opernsängerin benötigte nicht einmal ihre Stimme, um ein Filmstar zu werden: Geraldine Farrar, die 1901 in Berlin an der Königlichen Hofoper debütiert hatte, eignete sich mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht ideal für den Stummfilm. Mehrmals arbeitete sie mit Cecil B. DeMille zusammen, dessen Spektakel Joan the Woman (1917) erst vor wenigen Jahren restauriert worden ist. Hier ist die damals 35-jährige Farrar als Jungfrau von Orleans zu sehen – etwas zu reif und sinnlich, aber wen stört das? Die Rahmenhandlung spielt in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs und schildert, wie ein französischer Soldat durch das historische Vorbild zu Heldentaten angespornt wird. (Freitag im Filmmuseum Potsdam)

Noch unwahrscheinlicher als die Rückkehr von Opernstars zum Film ist die Rückkehr von Politikern, die sich als Leinwandstars feiern lassen. Die Politiker von heute mögen eitel sein und auf eine sorgfältige Inszenierung ihrer Auftritte Wert legen, aber sie sind selbstkritischer als ihre Vorgänger. Sich selbst als Gott zu inszenieren, das hat seit Josef Stalin niemand mehr gewagt. Der Höhe- und Tiefpunkt des Stalinkults wurde 1946 mit Michail Tschiaurelis Der Schwur erreicht. So viel Pathos findet man nicht einmal mehr in Bibelverfilmungen. Tschiaureli war Georgier und Bildhauer: ideale Voraussetzungen für ein Heldengedicht auf den großen Diktator. (Dienstag in der Brotfabrik, Mittwoch im Kino im Martin-Gropius-Bau)

Man kann ein großes Thema auch leise angehen: Im Sommer 1947 taten sich in München Holocaust-Überlebende und Angehörige von Opfern zusammen, um die Geschichte einer polnisch-jüdischen Familie zu erzählen, die nach dem deutschen Angriff 1939 auseinander gerissen wird. Lang ist der Weg haben Marek Goldstein und Herbert B. Fredersdorf ihren Film genannt. Die Protagonisten sind voller Pläne für die Zukunft, doch der Neuanfang wird mühsam sein (Montag im Zeughauskino).

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