Kultur : Kurzmeldungen

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Elvis Costello:

„North“

(Universal)

Ein Album voller Balladen von klassischer Schönheit. Costello a-capella mit Mut zum Vibrato oder auf Streichern gebettet. Dass er ein großer Komponist ist, wussten wir lange. Für einen Belcanto hielten wir ihn nie. Ein Irrtum.

Kings of Leon:

„Youth and young Manhood“ (RCA/BMG)

Wenn Caleb Followill singt „I was lost in Montana“, dann kaut er die Silben wie Kautabak. Langhaariger Countrybluesrock wie von 1973. Kaum zu glauben, dass die Burschen erst 18 Jahre alt sein sollen.

The White Stripes:

„Elephant“

(XL Recordings/V2)

Der Blues, wie er sein muss: roh, laut, schneidend scharf. Meg und Jack White, angeblich Brüderlein und Schwesterlein, rocken ohne Reue. Bei guten Songs kann man alles weglassen, notfalls auch den Bass. Purer Rhythmus.

„I Am Sad And Weary – Jimmie Rodgers Revisited“ (Bear Family Records).

Eine Hommage an einen der ersten Superstars der Countrymusik, der vor 70 Jahren in einem New Yorker Hotelzimmer starb. Hank Snow, Dolly Parton, Jerry Lee Lewis, sogar Bill Ramsey, jodeln ihm das letzte Geleit.

Volker Kriegel: „Spectrum“

(MPS/Universal)

Volker Kriegel – Gitarrist, Zeichner, Autor – starb im Juni, gerade einmal 59 Jahre alt. Das jetzt wieder veröffentlichte Album, 1972 beim legendären Schwarzwald-Label MPS erschienen, ist bester Acidjazz, mit Drogenbass und sogar Sitar.

Kaiser Base: „Berlin, du bist so wunderbar“ (BMG)

Bierwerbung im Kino, bei der sich eine Max-Raabe-artige DJ-Stimme durch Elektrorhythmen sägen muss. Das Schreckliche an Kinowerbung: Man kann nicht weiterzappen.

The Go-Betweens: „Bright Yellow Bright Orange“

(clearspot/EFA)

Mitpfeifmelodien! Twängelgitarren! Backgroundharmonien! Kirmesorgeln! Bei den Go-Betweens, die seit 20 Jahren perfekten Pop produzieren, wirst du immer Trost finden.

Britta: „Lichtjahre voraus“ (Flittchen Records/EFA)

Postfeministischer Powerpop, prima geeignet zum Mitsingen: „Das ist so ein Happy Song / Für alle Leute, die ihn hören wollen / Und er erinnert mich an dich.“ Man achte auf das versteckte Carl-Douglas-„Kung Fu Fighting“-Zitat.

Francoise Hardy: „Messages Personnels“

(Virgin France)

Zwei Dutzend Höhepunkte aus dem Schaffen der Chanson-Ikone, darunter auch ein rarer Edelschlager auf Deutsch: „Träume, die bei Nacht entstehen und am Tag vergehen, sind meistens gar nicht wahr.“ Seufz.

„Hits And Misses – Muhammad Ali and the Ultimate Sound of Fistfighting“ (Trikont)

Soul- und Funkknaller aus den Sixties und Seventies, die dem größten Boxer aller Zeiten huldigen. Sogar Ali selbst singt hier. Ein Album wie ein Faustschlag. Eins in die Fresse, mein Liebling.

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