Kultur : Kurzmeldungen

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Radiohead:

„Hail to the Thief“ (EMI)

Mit jeder Platte werden sie besser. Aus Soundschleifen und Akkordwinden schält sich eine Idee, für die Rockmusik zu eng ist. Eine Platte, wie vom anderen Stern.

Wir sind Helden:

„Die Reklamation“

(Labels)

Eine Entdeckung, am Casting-Zirkus vorbei. Und wir sind irgendwie alle dabei gewesen. Auch wenn sich der Hype jetzt verselbstständigt. Wann waren auf einer deutschen Pop-Platte zuletzt so viele Hits? Es stimmt: Man muss nur wollen.

Chicks on Speed:

„99 Cent“ (Labels)

Ein Manifest der Cheap- Art, der billigen Kunst, das Beat-Kracher, eine Missy-Elliott-Persiflage und superfunky Aufforderungen zur Selbstausbeutung enthält. Man kann das Marketing-Getue des Trios übertreiben finden, die Musik ist schlicht großartig.

Ensemble Modern: Plays Frank Zappa „Greggery Peccary & Other Persuasions“ (BMG)

Zappa hat seine Musik von Boulez dirigieren und von Symphonikern spielen lassen. Aber nie war es gut genug. Erst das Ensemble Modern erfüllt seine kühnsten Träume. Auch posthum.

E.S.T.:

„Seven Days of Falling“ (Act)

Für die New Yorker Jazzszene sind die drei Schweden des Esbjörn Svensson-Trios nur „Turnschuh-Typen“. Tatsächlich haben sie sich vom Kanon (Blues und Swing) weit entfernt – und das kollektive Spiel neu versilbert.

Ein Sommerabend an einem norwegischen Fjord. Auf der anderen Seite der Bucht rasen Autos über eine Küstenstraße, die man aber nicht sehen kann. Plötzlich ein Knall - und ein Geräusch, als ob sich etwas sehr Schweres überschlägt und auseinander fliegt. Danach Stille.

Blumfeld:

„Jenseits von Jedem“ (Wea)

Keine deutsche Band polarisiert so stark wie das Trio um Jochen Distelmeyer. Könnte also genau das Falsche sein. Trotzdem: Niemand sagt wichtige Dinge („gib nicht auf/ es kommt ein neuer Morgen“) so direkt wie der Dornboy.

Tied & Tickled Trio: „Observing Systems“ (Morr Music)

Der Soundtrack für einen imaginären Film. Cool und weich und manchmal als würde man unter Wasser mit geschlossenen Augen die Atem-, Herz- und Muskelgeräusche des eigenen Körpers entziffern.

Matthew Herbert Big Band: „Goodbye Swingtime“ (accidental)

Die Musik der Fünfziger ins digitale Zeitalter übersetzt. So abgeklärt hat zuletzt Gil Evans Capitol- Orchestra geklungen. Dabei hat der englische DJ Herbert die Bläsersätze aus Tausenden von Bites am Computer zusammenmontiert.

Robert Wyatt:

„Cuckooland“ (Ryko)

Man denkt ja, dass man keine Feinde hat oder wenigstens nicht haben müsste. Falls doch, helfen nur Narren. Einer der wundersamsten ist der ehemalige Soft Machine- Drummer Wyatt. Seine psychedelischen Klangpoeme sind wie ein Irrgarten.

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