Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Immer noch schließen in Berlin Kinos (zuletzt hat es die Filmbühne am Steinplatz erwischt), doch mitunter gibt es auch Positives zu vermelden. Neben dem wiedererstandenen Kant-Kino erfreut nun die Kurbel nach kurzer Schließung mit Low-Budget-Preisen und einem ungewöhnlichen Sprachfassungsmix. Dabei stehen auch außergewöhnliche Filmereignisse auf dem Programm – etwa am Sonnabend die Komplettaufführung der Coppola-Trilogie Der Pate (1972/74/90), an der sich Aufstieg und Niedergang dieses gigantischen Regietalents ebenso ablesen lassen wie die – damals höchst umstrittene – Schauspielkunst der Coppola-Tochter Sofia. Immerhin: Gut, dass Papa sie damals auf den Set gelassen hat. Denn sonst wäre „Lost in Translation“ vielleicht nie entstanden – und wir um eine schöne Filmerfahrung ärmer.

Auch in Mitte, beim Deutschen Historischen Museum, wurde soeben gefeiert – die Wiedereröffnung des Zeughauskinos nach fünf Jahren (und das mit nun deutlich bequemerem Gestühl). Am hausgemäß film-historisch gewichteten Programm von Kinoleiter Rainer Rother hat sich auf den ersten Blick wenig geändert. Eine guter Ort also, um alte Bekannte wiederzusehen: So steht am Donnerstag mit dem Antikriegs-Schocker Johnny Got His Gun (1971) eine der wenigen Regiearbeiten von „Spartacus“-Autor und McCarthy-Opfer Dalton Trumbo auf dem Programm. Und am Sonnabend kann man Steven Spielbergs umstrittenes opus magnum Schindler’s Liste noch einmal in der Originalfassung sehen.

Kein neues Kino, doch eine originelle Programmidee ist das Wickeltaschenkino, das im Nickelodeon zweimal wöchentlich nachmittags stattfindet. Geschuldet ist die Innovation wohl der Tatsache, dass Kinomitbetreiber Torsten Frehse und seine Co-Programmgestalterin Seneit Debese selbst Eltern geworden sind. Das Ganze geht so: Die gestressten Mütter und Väter entspannen sich im sanften Halbdunkel, während der Nachwuchs auf Kissen und Matratzen friedlich vor sich brabbelt. Und wenn’s doch einmal härter kommt, steht im benachbarten Wickelraum ein Videoscreen zur Verfügung, auf dem der begleitende Elternteil den Film weiter verfolgen kann. Geboten wird – nach Elternwunsch – gehobene Unterhaltung. Pan Nalins esoterischer Ayurveda (Freitag und Sonntag nachmittag) dürfte da eher eine Ausnahme darstellen. Doch noch einmal Warnung an alle Nicht-Eltern: Das Etikett „Wickeltaschenkino“ mag für Filmgenuss stehen – aber auch für Gekreisch und Windelduft.

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