Kultur : Kurzmeldungen

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Martenstein entdeckt auf der

Berlinale ein bengalisches Bordell

Dieter Kosslick hüpfte aufgeregt auf dem roten Teppich herum. Er sah aus wie ein Oberstudiendirektor auf Speed. Kosslick ist authentisch. Auch deshalb wird er in seinem erst dritten Jahr in Berlin schon geliebt wie einst Pfitze, Hotte oder Bubi Scholz, er braucht jetzt eigentlich dringend einen Spitznamen.

Bei der Eröffnung brauchte man zum Eintritt eine kleine Karte, eine große Karte und eine rote Karte. Wer nur zwei Eintrittskarten hatte, wurde zum Trouble Desk geschickt. Dort mischten sich VIPs, Persons of some Importance, Persons of neclectable Importance und Persons you can really give a shit on, alle deeply into trouble. Katja Riemann und Heino Ferch standen in der Trouble-Slang hinter mir. Katja Riemann sagte: „Minghella? Is dasn Mexikaner?“ Dann lief sie kurz raus und wieder rein und rief: „Geil! Ne Demo!“ Jemand anderes sagte: „Gegen Tierversuche!“ Die Demonstranten draußen skandierten irgendwas, es klang wie „Wir wollen Maoam!“

Ich hatte nur eine Stehplatzkarte und dachte: „Es ist wie auf der Titanic. Wenn der Berlinalepalast versinkt, dürfen die Stehplatzkarteninhaber sicher erst als Letzte in die Boote.“ Der Saal hatte rotgoldenes Licht. Ich war zwar noch nie in einem bengalischen Bordell, aber bengalische Bordelle haben bestimmt auch dieses Licht. Dann tauchte ein rundlicher Mann mit Brille auf, den alle anderen Stehplatztypen zu kennen schienen, sie nannten ihn „Donut“. Donut sagte: „Wenn es losgeht, füllt ihr die leeren Sitzplätze. Wenn der Promi doch noch auftaucht, verdrückt ihr euch, ohne zu murren.“ Alle nickten. Donut musterte die freien Plätze. „Hier ein Mann! Da ’ne Frau!“ Er verteilte nach Optik. Neben eine vanillefarbene Promibraut mit Höllenschluchtdekolleté setzte er einen gegelten Goldohrringhengst, ein älterer Filmmogul bekam von Donut eine etwas seriösere Stehplatzschwalbe mit Schmuseschal, wahrscheinlich die Kultusministerin von Bremen. Vorne stellte Dieter Kosslick Anke Engelke, in Anspielung auf ihren neuen Job als Harald-Schmidt-Nachfolgerin, mit den Worten vor: „She will become the Letterwoman each night.“

Die Redaktion aber sagt: The Glosse is too long each day.

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