Kultur : Kurzmeldungen

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Martenstein besichtigt mit

Spaniern eine Altbauwohnung

Wenn Sie mich fragen: „Na, was ist denn so der Trend im Weltkino der Gegenwart?“, dann antworte ich: „Paare, die sich Gemeinheiten sagen.“ Diese Berlinale ist eine Werbeveranstaltung fürs Single-Dasein. Wenn das alles ins Kino kommt, werden noch weniger Kinder geboren und noch weniger Renten ausgezahlt.

Im Karmakar-Film heißt es: Wir haben keine Arbeit, kein Geld. Was tun? Der Mann verdient gar nichts, die Frau ist in Mutterschutz. Sie leben zu dritt in einer schätzungsweise 160-Quadratmeter-Altbauwohnung in Berlin-Mitte, im Flur stehen teure Fahrräder. Sie will Party. Er will lesen. Wahrlich eine ausweglose Tragödie.

Den Karmakarpaarzerfleischungsfilm habe ich in einer Gruppe von Spaniern gesehen, die pausenlos lachten. Einer sagte: „Ay, caramba, this man wants big art. But cannot do so.“ In dem Film wirst du als Zuschauer nämlich verstrindbergt und veribst nach Strich und Faden. Er kommt mit der gleichen hochnäsigen Bedeutungshuberpose daher wie einst die Werke von Straub/Huillet. Filme können arrogant sein, wie Menschen. Aber die Kritiken in den meisten Zeitungen waren relativ positiv. Galt die Berlinale nicht immer als ein besonders gnadenloses Pflaster, besonders für deutsche Filme?

In der Pressekonferenz sagte der Regisseur, Kritiker, die seinen Film nicht mögen, hätten zu viel amerikanischen Mist gesehen. Klar. Wer zu viel Woody Allen gesehen hat, ist für „Die Nacht singt ihre Lieder“ verloren. Im Fernsehen sagte er später: Der Film sei humorvoll gemeint. Somit hätten wir die erste Komödie der Welt, die mit einem Selbstmord endet.

Es gibt die in Deutschland relativ verbreitete These, dass alles, was sich der Gefälligkeit verweigert, deswegen automatisch ein Kunstwerk sein muss. Lange Einstellungen, Dunkelheit, Düstermusik, ernste Mienen – Kunst. Dabei kann es sich doch auch ganz einfach um Bullshit handeln.

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