Kultur : Kurzmeldungen

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TOPS & FLOPS

Kerstin Decker

Top: „25 degrés en hiver“ von Stéphane Vuillet. Wer sagt, dass Tiefe etwas Schweres ist? Sie ist eine Schwebeeigenschaft. Ein Unterton des Lachens. Und das bei einer europäischen Koproduktion!

Flop: „The Final Cut“ von Omar Naïm. Ein Implantat, das unser ganzes Leben aufzeichnet? Die Vision des totalen Überwachungsstaates hätte das werden können. Aber diese leichenstarre sentimentale Revolution des Begräbniswesens wendet sich an Gehirnamputierte. Gehirnamputiert mit Gedächtnisimplantat – ob das was bringt?

Deike Diening

Top: „Samaria“ von Kim Ki-duk. Weil kaum einer es schafft, die Erwartung an die nächste Einstellung so konsequent zu enttäuschen. Ästhetische Erziehung.

Flop: „Feux rouges“ von Cédric Kahn. Weil sich darin eine Frau erst durch eine Vergewaltigung „läutern“ lassen muss, um zu erkennen, dass sie mit einem Trinker immer noch ganz gut bedient ist. Krank.

Ralph Geisenhanslüke

Top: „Monster“ von Patty Jenkins. Übermenschliche Anstrengung, furioses RegieDebüt, Coming Out für eine Extremdarstellerin – vor diesem Film sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker fragen.

Flop: „Die Hysterischen“, Regie: Die lieben Kollegen, täglich bei den Pressevorführungen im Cinemaxx, bei denen manche Wartende sich noch pöbeliger aufführten als bei den Pressekonferenzen. Gesamtstimmung: muffelig-missgünstig. Das hätte die Regie etwas italienischer gestalten können.

Silvia Hallensleben

Top: „Badlands“ von Terrence Malick, 1973. Kino für alle Sinne mit Intelligenz und Leidenschaft. Warum gibt es solche Filme nicht mehr?

Flop: „Paradise Now“ von Yolande Zauberman. Hier ist die Sinnlichkeit Attitüde, die Leidenschaft Selbstverliebtheit. Und wer will schon fremde Familienfilme sehen?

Julian Hanich

Top: „Die Spielwütigen“ von Andres Veiel. Weil das Leben, wenn man mit klugem Blick sehr genau hinsieht, manchmal doch die schönsten Geschichten schreibt.

Flop: „Country of My Skull“ von John Boorman. Weil das Leben, wenn man es fiktionalisiert, simplifiziert und melodramatisiert, manchmal die dümmsten Geschichten schreibt.

Harald Martenstein

Top: „Monster“ von Patty Jenkins. Mit so viel Leidenschaft gemacht. Bewegend. Würde trotzdem nicht in meine private Top Twenty kommen. Ein schwaches Jahr.

Flop: „The Final Cut“ von Omar Naïm. Mainstream-Magerquark. Und nicht mal Ehrgeiz (wie bei Karmakar) oder politische Motive (wie bei John Boorman) als mildernder Umstand.

Susanna Nieder

Top: „Dieses Jahr in Czernowitz“ von Volker Koepp. Man kann Koepp nicht genug danken: für die Vergangenheit, die er auferstehen lässt, und für die Menschen, mit denen er uns bekannt macht.

Flop: „Forbrydelser“ von Annette K. Olesen. Das ist total unfair! Den Zuschauer erst mitleiden zu lassen und ihn dann ohne Gott, ohne Liebe und ohne Hoffnung aus dem Kino zu jagen!

Frank Noack

Top: „Die Nacht singt ihre Lieder“ von Romuald Karmakar. Nach Roehlers „Der alte Affen Angst“ ein weiterer Beweis dafür, wie gut deutsches Frustkino sein kann.

Flop: Die Ballermann-Touristen, die sich in Karmakars „Nacht" verirrt haben. Hysterische Lachanfälle: Auf solche unfreiwilligen Komplimente kann ein Regisseur stolz sein.

Christiane Peitz

Top: „South of the Clouds“ von Zhu Wen im Forum. 100 Minuten lang Freiheit. Ein alter Mann hat sein Leben verpasst und nimmt sie sich doch. Jede verpasste Gelegenheit – ein köstlicher Augenblick. Das Schönste: Chinesische Melancholie ist unglaublich komisch.

Flop: dass „South of the Clouds“ nicht im Wettbewerb lief.

Hans-Jörg Rother

Top: „Koktebel“ von Boris Chlebnikow und Alexej Popogrebskij. Eine ermutigende Parabel über die uneingelösten Träume der älteren Generation, die den Lebensanspruch junger Menschen beflügeln können.

Flop : „Anatomie de l’enfer“ von Catherine Breillat. Die Selbstentblößung einer Regisseurin (und ihrer Darsteller), die ihre Verirrung als Tabubruch ausgibt.

Jan Schulz-Ojala

Top: „Monster“ von Patty Jenkins. Die Hölle auf Erden, gefilmt wie geträumt.

Flop: „Country of My Skull“ von John Boorman. Die Hölle auf Erden, all inclusive.

Christina Tilmann

Top: „Before Sunset“ von Richard Linklater. Man kommt jünger aus dem Film, als man reingegangen ist. Bleibt die große Berlinale-Frage: Zyniker oder Romantiker?

Flop: „Die Nacht singt ihre Lieder“ von Romuald Karmakar. Ein Film, so arrogant wie sein Regisseur: Er knallt dem Zuschauer die Tür vor der Nase zu.

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