Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Auf manchen Filmen scheint ein Fluch zu liegen. Auffallend viele Beteiligte sterben innerhalb weniger Jahre. Es gibt auch den umgekehrten Fall. Der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 1940, Eduard von Borsodys Wunschkonzert , ist zugleich der älteste Film, dessen Hauptdarsteller alle noch am Leben sind. Das sind im vorliegenden Fall Ilse Werner, Carl Raddatz und Joachim Brennicke. Ilse Werner spielt eine junge Frau vom Land, die sich 1936 während der Olympischen Spiele in einen stattlichen Mann verliebt und für längere Zeit nichts von ihm hört, da er einen Geheimauftrag erfüllen muss. Er fliegt mit der Legion Condor Einsätze über Spanien.

Obwohl zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden, handelt es sich hier bereits um einen Durchhaltefilm, der Frauen zur Geduld und Enthaltsamkeit erzieht. Männern wiederum wird beigebracht, wie man befreundet bleiben kann, obwohl man dieselbe Frau liebt. Der Filmwissenschaftler Thomas Brandlmeier nannte diese UFA-Produktion „den entschieden ekelhaftesten Propagandafilm des Systems“, was zunächst irritiert – schließlich hat es auch Machwerke wie „Der ewige Jude“ oder „Jud Süß“ gegeben. "Wunschkonzert" predigt keinen Hass, sondern erzählt eine Dreiecksgeschichte in einem locker-freundlichen Ton. Es ist seine heimtückische Harmlosigkeit, die so verwirrt. Im großen Finale singen Stars wie Marika Rökk und Heinz Rühmann ihre Lieder direkt unter einem Hakenkreuz (heute um 19 Uhr im Brotfabrik-Kino).

Während Ilse Werner tapfer und vorbildlich auf ihren Geliebten wartet, verkörpert Luise Ullrich in Annelie (1941) eine Frau, die alles falsch macht, und dies schon als Neugeborenes: Sie kommt immer zu spät. Zwischendurch heiratet sie auch und bekommt Kinder, aber der ungarische Regisseur Josef von Baky und seine kesse Hauptdarstellerin verhindern, dass aus dem Stoff eine pathetische Hymne auf die deutsche Mutter wird. Die fiktive Frauenbiographie, deren Handlung im Jahr 1871 einsetzt, ist angereichert mit skurrilen Nebenfiguren und sogar ein paar Fantasy-Elementen (Mittwoch in den Eva-Lichtspielen).

Eine weitere UFA-Produktion, 1929 in den letzten Tagen des Stummfilms gedreht, wartet ebenfalls mit einer starken Frauenfigur auf, immerhin handelt es sich bei ihr um die erste Frau im Mond . Fritz Lang scheuchte seine Hauptdarstellerin und zeitweilige Geliebte Gerda Maurus durch verrückte Mondlandschaften. Sie benötigt kein Sauerstoffgerät – dafür stimmen andere Details, etwa die Aufhebung der Schwerkraft. Und angeblich hat Lang für „Frau im Mond“ (am Sonnabend im Filmkunsthaus Babylon) sogar den Countdown erfunden. Ursprünglich ein Misserfolg an der Kasse, fand das Science-Fiction-Spektakel im Laufe der Zeit immer mehr Bewunderer. 1968 lud die US-Regierung Lang sogar zu einem Raumfahrt-Seminar ein – als Ehrengast, schließlich war er auf diesem Gebiet eine Art Pionier.

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