Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Man muss kein Verbrecher sein, um in der Rolle eines Verbrechers zu überzeugen. Aber man sollte dabei schon ein wenig Sympathie für das Böse aufbringen. Der 97-jährige Erich Geschonnek, der auf eine ruhmreiche Karriere zurückblicken kann, hat sich ein einziges Mal an die Rolle eines Kriegsverbrechers gewagt: in Slatan Dudows Der Hauptmann von Köln (1956), einer Satire auf die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik. Rolf Ludwig spielte einen Arbeitslosen, der aufgrund einer Verwechslung für besagten Hauptmann gehalten wird, dessen Kriegsverbrechen in der BRD plötzlich als Ruhmestaten gelten. Darüber ärgert sich der echte Hauptmann. Man muss nicht über Geschonnecks Vergangenheit als KZ-Häftling informiert sein, um ihn für hoffnungslos fehlbesetzt zu halten. Es ist seine Aufrichtigkeit, die ihn für die Rolle disqualifiziert. Hinzu kommt, dass Dudows Film ohnehin das seltene Beispiel einer unfreiwillig komischen Komödie darstellt. Hauptdarstellerin Christel Bodenstein steht nach der Vorführung zur Diskussion bereit, die Hans Helmut Prinzler leitet. (Morgen 19.30 Uhr im Toni in Weißensee).

Die vom Progress-Filmverleih organisierte Reihe „Genosse Ost im Land der Kapitalisten – Die Bundesrepublik im Spiegel des DEFA-Films“ endet am Sonnabend mit Werner W. Wallroths Komödie Seine Hoheit Genosse Prinz (1969), in der ein linientreuer DDR-Bürger (wieder Rolf Ludwig) von seiner unsauberen Herkunft erfährt. Sein Vater ist Großgrundbesitzer, seine Mutter lebt als Millionärsgattin in Miami. Zu seiner Erleichterung stellt Genosse Prinz fest, dass die biologischen Eltern im Sozialismus unwichtig sind. Diesmal diskutiert Knut Elstermann mit dem Regisseur. (Sonnabend im Toni)

In ihren Anfängen stand die DEFA noch nicht unter Ideologieverdacht, und ein Film wie Ehe im Schatten (1947) wurde zum gesamtdeutschen Erfolg. Regisseur Kurt Maetzig orientierte sich am Schicksal des Schauspielers Joachim Gottschalk, der 1941 mit seiner jüdischen Frau und dem Sohn in den Tod ging (im Film hat das Paar keine Kinder). Zugleich verarbeitete er das tragische Ende seiner eigenen jüdischen Mutter. (Mittwoch im Filmkunsthaus Babylont)

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