Kultur : Kurzmeldungen

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HÖRTEST

BLUES

Woher Robert Johnson ihn hatte, weiß niemand. Aber er hatte ihn, und bald wollten alle ihn haben. Nur konnte man nicht einfach, sagen wir, zu einem Straßenhändler gehen und sagen: Ich will den Blues haben. Blues hat man, oder man hat ihn eben nicht. Und eigentlich sollten sich Weiße erst gar nicht fragen, ob sie ihn haben. Nur Eric Clapton ließ beim Gitarrespielen so viele Noten weg, dass er ihn plötzlich auch hatte. Mit „Me & Mr. Johnson“ (Warner) setzt er seinem Idol nun ein liebevolles, mildes Denkmal. Ein bisschen zu liebevoll. Johnson, der mit 27 starb, hätte mehr Wildheit verdient, nicht die beflissene Ehrerbietung eines Schülers, der über die Tragödien seines eigenen Lebens hinwegspielt. KM

FILMMUSIK

Wenn Cahit in dem Film „Gegen die Wand“ mit seinem Wagen gegen die Wand kracht, hört er gerade „I Feel You“ von Depeche Mode. Das ist cool und pathetisch. Zwischen den Episoden singt die Berliner Schauspielerin Idil Üner die melancholischen Lieder der Roma-Band Selim Sesler. Aber was haben diese Stücke miteinander zu tun? Der Sountrack (Indigo) versammelt eine ganze Reihe von Bands, die so wenig zueinander passen wie Cahit und Idil: Polverosa und die Sam Ragga Band (beide aus Hamburg), die Berliner Band Orientation, Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) und Sisters Of Mercy. Ein Pulverfass. Das ist die Musik von Kindern der einstigen Gastarbeiter. Sie wollen in beiden Kulturen sein. suz

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