La Brass Banda in der Columbiahalle : Vergesst, dass ihr Berliner seid

Volle Puste bayrisch: Die Blasmusikband La Brass Banda spielt in der Berlin.

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Chiemgauer Jungs. La Brass Banda noch in Sommerbesetzung. Von links: Manuel Winbeck, Manuel da Coll, Stefan Dettl, Oliver Wrage, Andreas Hofmeir.
Chiemgauer Jungs. La Brass Banda noch in Sommerbesetzung. Von links: Manuel Winbeck, Manuel da Coll, Stefan Dettl, Oliver Wrage,...Foto: Promo/Gerald von Foris

Da staunt er, der Stefan Dettl. Auch wenn er als Bandgründer ja selbst am besten weiß, wie groß La Brass Banda in den sieben Jahren, die die Blasmusik aus dem Chiemgau jetzt besteht, geworden ist. „Vor vier Jahren haben wir hier noch im Valentinstüberl in Neukölln gespielt“, ruft er in die teils in Lederhosen, Haferlschuhen und Dirndlblusen angerückte mehrtausendköpfige Menge. Seither hat die Band beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest den zweiten Platz belegt, und das im Juli erschienene Album „Europa“ landete auf Platz drei der Charts. So kann’s gehen, wenn man die perfekte Synthese aus urbanem Dancefloor und folkloristischem Blech ist, aus kaltem Technobeat und warmer Bierzeltherzlichkeit.

Und herzlich sind sie, die neuerdings von fünf auf acht angeschwollenen barfüßigen Lederhosenjungs. „Flippt’s aus, vergesst’s, dass ihr Berliner seid!“, brüllt Sänger und Trompeter Dettl in den hüpfenden Saal. Doch wenn das erstaunliche Zentrifugalkräfte freisetzende Kesseltreiben der Pogotänzer zu doll wird, bricht er die rasenden Bläsersätze ab und erkundigt sich „bei der Dame in Schwarz“, ob’s ihr gutgeht und ruft zum Liebespogo auf. So sieht Fürsorge auf Bayrisch aus.

Und erst die bayrische Virtuosität! Die ist bei dieser munter Funk, Polka, Reggae, Ska, Latin plündernden Popband schlicht atemberaubend. Gleich vom knalligen Showopener „Tecno“, dem ersten Song des Albums „Europa“, an. Dettl an der Trompete, Andreas Hofmeir an der Tuba, Manuel Winbeck an der Posaune und Manuel da Coll am Schlagzeug sind stupende Instrumentalisten, die ihre Riffs in Sechzehnteln und Zweiunddreißigsteln vor sich herjagen. Alle sind klassisch ausgebildet, Hofmeir lehrt nebenbei am Salzburger Mozarteum, und auch die Neuzugänge Mario Schönhofer am Bass, Perkussionist Tobi Weber und die Trompeter Jörg Hartl und Korbi Weber lassen sich hören. Nichts macht das Mitgehen bei Tanzmusik, die voll auf die Zwölf – den Bauch – zielt, schöner als diese das Gehirn beglückende Präzision und Professionalität.

Die bezieht sich bei La Brass Banda auch auf den Sound und das Licht. Groß, welche Dynamik die mal kalt weißen, mal bunten Spots zusammen mit den goldigen im Bühnenhintergrund herunterrinnenden LED-Tropfen schaffen. Und trotz der wummernden Rhythmsection ist jedes Blasinstrument bestens zu hören, sogar Stefan Dettls kleine Es-Trompete, die neben den B-Trompeten der Kollegen wie eine Kindertrompete aussieht. Seine in irrem Scat-Rap gesungenen Mundarttexte zu ergründen, kann man allerdings knicken. Das fällt selbst auf den Alben schwer genug. Egal. Euer Blech ist unser Atem. Hände fliegen, Füße springen, alles ist Bewegung, alles Musik

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