"La Religieuse" : Jesu Bräute ungeschminkt

Huppert und Gedeck äußern sich bei der Pressekonferenz zu „La Religieuse“.

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Das Team. Martina Gedeck, Produzentin Sylvie Pialat, Regisseur Guillaume Nicloux, Isabelle Huppert, Pauline Etienne.Foto: Reuters
Das Team. Martina Gedeck, Produzentin Sylvie Pialat, Regisseur Guillaume Nicloux, Isabelle Huppert, Pauline Etienne.Foto: ReutersFoto: REUTERS

Wenn schon Nonnen, dann diese. Die Damenriege, die sich bei der Pressekonferenz zu „La Religieuse“ rund um Regisseur Guillaume Nicloux auf dem Podium versammelt hat, ist sehr stolz und sehr erstaunlich. Allen voran die große Dame des französischen Kinos, Isabelle Huppert, im Film gibt sie die lesbische Mutter Oberin. Dann die sie um zwei Köpfe überragende Louise Bourgoin, die als Schwester Christine so schön wie sadistisch ausfällt. Und Hauptdarstellerin Pauline Etienne, in Jeans und Pulli genauso frisch wie in ihrer Rolle als rebellierende Novizin Suzanne Simon. Und Martina Gedeck, die Haare in neuem, ungewohnt lockerem Fransenlook.

Jammerschade, dass die maßgebliche strenge Blasse des deutschen Kinos, deren Gesicht es an Facettenreichtum locker mit dem von Huppert aufnehmen kann, als Einzige keine Nonne spielt. Dafür aber die Mutter der Hauptfigur. Eine Frau, die, als sie die Tochter ins Kloster steckt, „sich das aus dem Herzen reißt, was sie am meisten liebt“. Eine Frau, die im rigiden System einer Familie des 18. Jahrhunderts ungeheuren Spannungen ausgesetzt gewesen sei. „Ich mochte die Frau“, sagt Gedeck, „sie kann als Mutter einer Tochter, die einem Seitensprung entstammt, einfach das System der Unfreiheit nicht sprengen.“

Isabelle Huppert kannte die in Frankreich viel gelesene Romanvorlage von Denis Diderot nicht, als das Rollenangebot kam. Doch dann fand sie das Buch großartig. Auch die Tatsache, dass Goethe es ins Deutsche übersetzt und hierzulande bekannt gemacht habe, habe sie interessiert. Ihrer heiklen Rolle der älteren Oberin, die sich unsterblich in die junge Novizin verliebt, konnte sie sogar amüsante Züge abgewinnen. „Natürlich muss man aufpassen, dass so eine Figur nicht zur Karikatur wird. Aber es hat auch was sehr Komisches, völlig ungeschminkt einen Menschen zu spielen, der selbst nicht weiß, nicht versteht, was gerade mit ihm geschieht.“

Ungeschminkt ist hierbei wörtlich zu nehmen. Regisseur Guillaume Nicloux, der bei der Pressekonferenz lieber den spröden als den charmanten Franzosen gibt, hat seine Darstellerinnen im Namen ästhetischer – nicht religiöser – Authentizität beim Dreh gerne mit Anweisungen wie „ohne Make-up“ und „in ungeheizten Räumen“ traktiert. Die passende Klosterkulisse war, und das verblüfft, im katholischen Frankreich nicht aufzutreiben. Die wurde erst im koproduzierenden Deutschland gefunden – die Klöster Bronnbach und Maulbronn.

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