Kultur : La vie en Rosenberg

CHANSON

Jens Hinrichsen

An guten Cocktails nippt man mit gespitztem Mund. Das Gezierte beherrscht Marianne Rosenberg perfekt. Schließlich war sie in der Schlagerszene der Siebziger die heimliche Kammersängerin. Vor zwei Jahren wagte sie sich an Kurt Weills „Venus“ und dieses Faible für die Vierzigerjahre ist geblieben. Nun genehmigt sie sich „Cocktails For Two“ – mit ihrem Duettpartner Christian Schodos stellt sie ihr neues Programm in der Bar jeder Vernunft vor. Der Titelsong dimmt die Jubelstimmung aufs schummrige Maß des Abends herunter, in den sich der Bariton Schodos mit Eleganz und Witz einbringt (noch einmal: heute um 19 Uhr 30, sowie vom 2.-6. April). Gelegentlich kehrt die Diva das innere Kind nach außen, wenn sie etwa Piafs „La vie en rose“ mit sopranseliger Unschuld an die Rampe stellt, dass das Spiegelzelt klirrt. Das rauchige Vibrato in tieferer Lage beherrscht sie inzwischen ebenso gut, Peggy Lees rockiges Bekenntnis „I’m A Woman“ und der Broadwaystil Harry Warrens leben davon. Auch Cole Porter fehlt nicht: Mit „Everytime We Say Goodbye“ erinnert das Bühnenpaar melancholisch daran, dass den Cocktails zu zweit der Kater folgen kann, während es beim tonal kapriziösen „All Of Me“ eher ein musikalisches Problem darstellt, dass die beiden ein wenig aneinander vorbei singen. Ansonsten hat der Abend lebendiges Klangprofil, auch dank Wolfgang Köhlers Arrangements für die fünfköpfige Combo. Im Fall etwa von Christian Schodos’ verschmustem „My One And Only Love“ hätte das Sopransax zu Gunsten nachtblauer Stimmung dem Piano den Vortritt lassen können.

Dafür schneidet Engelhardt schöne Schneisen in die Luft, zur verjazzten Fassung des deutschen Schlagers „Kauf Dir einen bunten Luftballon“. Dieses süße Wegsegeln in das „Land der Illusion“, in der NS-Zeit war das besonders angesagt, nehmen Rosenberg und Schodos ironisierend flink, mit Hüftschwung und dussligem Augenaufschlag. Nicht nur Liebe macht blind.

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