Kultur : Lachen und singen

JAZZ

Roman Rhode

Manchen Musikern, die ihr neues Album auf einer Tour präsentieren, gelten Live-Auftritte als Pflichtübung. Für die kanadische Jazzsängerin Holly Cole dagegen sind Konzerte eine Art Lebenselixier. Im Quasimodo erscheint sie mit fröhlich geflochtenen Zöpfen, schelmisch aufblitzenden Augen, zugleich aber mit einer Stimme, deren fülliger Alt auch die Tiefen einer femme fatale ausloten kann. Cole, die wie eine extrovertierte Gegenspielerin von Diana Krall wirkt, haucht zunächst alten Jazzstandards frischen Geist ein. „Too Darn Hot“ verwandelt sich in eine Dekonstruktion mit geheimnisvollem Flair, die frühere Interpretationen von Mel Tormé oder Ella Fitzgerald sofort vergessen lässt. Und „Tea For Two“ inszeniert Cole zwischen zischelndem Becken und singendem Bass als kleine, rauschende Party.

Viel Aufwand braucht es nicht, damit der Funke aufs Publikum überspringt. Bei den vier Musikern, die in dunklen Anzügen Klavier, Bass, Schlagzeug und Saxofon spielen, sitzt jeder Handgriff. Sie unterstützen die Sängerin ebenso pointiert wie pointillistisch. Damit schaffen sie eine spannende Klangkulisse für Coles Lied- und Stimmrepertoire, das schließlich bis zur Popballade und Tom Waits reicht, in stillen Momenten aber auch den eigenen Soul der Vokalistin zum Vorschein bringt. Holly Cole zeigt sich nicht nur äußerst stilsicher, ihr gelingt auch das Kunststück, im selben Augenblick zu lachen und zu singen. Ihre Songs, die doch aus anderer Feder stammen, lebt sie mit viel Hingabe auf der Bühne aus.

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