Kultur : Lachende Ananas

ROCK

Nadine Lange

Karen O ist für die Bühne geboren. Sie hat die Energie einer kompletten Football-Mannschaft und mehr Sex-Appeal als Halle Berry, Cameron Diaz und Courtney Love zusammen. Und dann diese Stimme! Vom katzenartigen Schreien bis zum gefühlvollen Hauchen hat die Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs alles drauf, was man sich von einer Rock-Sängerin nur wünschen kann. Mit Nick Zinner an der Gitarre und Brian Chase am Schlagzeug hat sie zudem zwei kongeniale Partner, die jedes Publikum mit wenigen Handgriffen in Ekstase versetzen können.

Im ausverkauften, verschwitzten Maria am Ostbahnhof lassen sie sich damit – anders als bei ihrem Auftritt im letzten Sommer – ein bisschen Zeit. Sie spielen erst vier unbekannte Songs und ein Stück von ihrer Debüt-EP, bevor sie mit dem markanten Intro von „Rich“ die Menge entfesseln. Auch danach bleibt das Trio aus Brooklyn überraschend unberechenbar. Statt einfach ihre sicheren Knaller runterzureißen, spielen sie die langsameren Stücke ihres gefeierten Garagenrock-Albums „Fever to tell“: Beim introvertierten „Modern Romance“ zeigt Karen O ungewohnte Zerbrechlichkeit, und die grandiose Single „Maps“ erstrahlt in sehnsüchtigem Rubinrot. Während der Zugaben schaltet die Band dann noch mal kurz in den Punk-Modus hoch, setzt präzise Gitarren-Explosionen und bringt alle Beteiligten an den Rand der Verausgabung.

Die Yeah Yeah Yeahs sind mutig und groß an diesem Abend. Anders als die ebenfalls aus New York stammenden Retro-Rocker The Strokes, die auf der Bühne nur noch ihr Image verwalten, fühlt man bei ihnen unbändige Leidenschaft und Spaß. Musik ist hier nicht zur Pose geronnen.

Karen O lacht viel, manchmal auch während des Singens. Irgendwann wischt sie sich mit einer halbierten Ananas durchs Gesicht und wirft sie ins Publikum. So viel dreckige Eleganz haben nur Rock’n’Roll-Göttinnen.

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