Kultur : Lackkünstler: Blanke Form

Moritz Schuller

Kado Isaburô gehört zu den großen Lackkünstlern Japans, und der Umgang mit dem "Urushi", dem zähen, karamelfarbigen Saft des Lackbaums, hat in Asien eine lange Tradition. Schon seit dem vierten vorchristlichen Jahrtausend werden in Japan Ess- und Trinkgefäße, Dosen, Kästen, Truhen mit Schichten aus Lack überzogen. Aus dieser Technik, die ursprünglich zum Schutz der Holzgefäße gedacht war, ist eine aufwändige Kunstform geworden: Zwischen dem Abzapfen des Lacks und seinem mehrfachen Auftragen liegen unendlich viele Arbeitsschritte oft mehrerer Handwerker. Das Ergebnis ist eine wunderbar glatte, harte Oberfläche der Gegenstände mit einer satten Tiefe - ein ästhetischer Genuss in rot und schwarz.

Bekannt ist der 61-jährige Kado Isaburô für seine Versuche, den Formenschatz traditioneller Lackkunst zu erweitern: Die Ränder seiner Trinkgefäße etwa umwickelt er mit Stoff, bevor er sie lackiert und schafft so eine unruhige, faserige Struktur. Sein Entwurf für eine Essschale mit steilem Fuß, bei Lempertz zu sehen, wird inzwischen als Billigware nachproduziert. Kados Einzelstücke sind teuer, wie die hochwertige japanische Lackkunst insgesamt: Schon seine kleinen, roten Sakeschälchen kosten 400 Mark, die klassischen Stapelkästen, die zur Aufbewahrung von Essen genutzt werden, bis zu 30 000 Mark. Auch bei den Stapelkästen hat sich Kado in Form und Gestaltung von der Tradition fortbewegt: Die einzelne Kästen sind von einander abgesetzt, mal durch Lackstreifen, in die er Silberpulver gemischt hat, mal durch aufgespannte Zinnbänder.

Kados Lackarbeiten stehen längst in den großen Museen der Welt, im Tokioter Museum für Moderne Kunst etwa oder der Yale University Art Gallery. Doch die Lackkunst ist eine Gebrauchskunst geblieben, einem teuren Meißen-Geschirr vergleichbar: "Meine Gefäße sind erst dann fertig", sagt Kado Isaburô, "wenn sie benutzt werden."

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