Kultur : Ladies: First class

UWE FRIEDRICH

Einen Frauenanteil von fast 50 Prozent kann die "Junge Sinfonie Berlin" aufweisen - warum finden die nicht den Weg in die Profiorchester? Es handelt sich nämlich keinesfalls um Quotenfrauen, auch wird der Orchesterklang nicht "weiblicher".Vielmehr wird der berühmte "deutsche" Klang gepflegt: dunkles Timbre, leicht streicherlastig, dabei in allen Gruppen stets durchhörbar.Diese Klarheit kommt der "Sommernacht" von Luigi Dallapiccola zugute.Die Geräusche der Nacht in einer mediterranen Stadt steigen auf, schlagen jäh um in das Gefühl der Verlassenheit.Schroffe Stimmungswechsel prägen das kurze Werk, das unter Dirigent Andreas Schüller weit mehr ist als nur ein Orchesteraufwärmer.

Den beiden Hauptwerken des Programms im Konzerthaus hätte allerdings ein wenig mehr rhythmische Prägnanz nicht geschadet.Brahms Haydn-Variationen ziehen sehr virtuos, sehr schön, aber auch etwas zu glatt und ein bißchen langweilig vorüber.Béla Bartóks Konzert für Orchester fordert die solistischen Qualitäten aller Orchestermusiker.Elegante Phrasierung und dynamische Feinarbeit müssen sich zum akustischen Gesamtbild fügen.Da irrlichtern die Klänge räumlich über das Podium wie reißender Stoff oder raschelndes Papier, oder es rauschen Tanzrhythmen durch das Orchester.Beinahe spielerisch liefert die "Junge Sinfonie" die geforderte Präzision im Zusammenspiel.Besonders die Holzbläser sind für ihren satten Ton zu loben, aber auch die anderen Gruppen spielen hervorragend.Technisches Können und musikalisches Engagement dieses Jugendorchesters sind außerordentlich, und es ist vor allem den Frauen zu wünschen, daß auch sie endlich eine größere Chance in den Profiorchestern erhalten.

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