Kultur : Lady Madonna

Godards größter Fan: die überfüllte Pressekonferenz mit der Pop-Diva

Andreas Conrad

Reden wir von Godard. „Ich bin froh, dass Sie den genannt haben“, Madonna nickt. Schließlich sei sie ein großer Fan von Godard. Und was dessen Meinung betreffe, wie wichtig der Titel eines Filmes sei – nun, das sehe sie genau so.

Endlich ist halbwegs Ruhe eingekehrt im Konferenzsaal des Hyatt am Potsdamer Platz. Kann sein, dass draußen vor der Tür noch immer verzweifelte Filmjournalisten um Einlass betteln, gar in Tränen ausbrechen wie am Vormittag, als „Filth and Wisdom“, Madonnas Regiedebüt, der Presse gezeigt wurde und sie zu spät kamen. Möglich auch, dass sich der eine oder andere im Gedränge vor dem Saal bereits die zweiten blauen Flecken des Tages eingehandelt hat und ihm die dritten noch bevorstehen. Denn schon jetzt ist ja absehbar, dass es Stunden später vor dem Zoo-Palast, mit Madonna auf dem roten Teppich, ähnlich sein würde.

Das alles aber interessiert hier im Raum niemanden mehr. Schon gar nicht, da es nun nicht mehr um Godard geht, sondern um ihr früheres Schaffen, um „Sex“ und „Erotica“, und welche Bedeutung selbiges für sie in ihrem Alter noch hat. Weniger ausgefuchste Medienprofis kämen jetzt ins Stottern, Madonna aber schlägt den Ball mit leichter Hand zurück: „Ich weiß nicht, wer Ihnen gesagt hat, dass es keine Erotik mehr gibt, wenn man verheiratet ist und Kinder hat.“

Mit einer halben Stunde Verspätung ist sie gekommen, mit ihren Hauptdarstellern Holly Weston, Vicky McClure und Eugene Hutz, der zum Schluss noch, wie bereits Patti Smith, zur Gitarre greifen wird. Eine Lady Madonna ganz in Schwarz, fließendes Kleid von dekorativ verteilter Transparenz, die blonden Locken in der Mitte streng gescheitelt. Wie sie ohnehin, noch im strahlendsten, freilich seltenen Lächeln das Hochseriöse, Beherrschte, kühl Kalkulierte nicht ablegen wird in den 30 Minuten, die sie der Weltpresse zubilligt. Nicht ohne die Hundertschaften wieder und wieder zu domestizieren. „Immer nur eine Frage bitte!“, da kennt sie keine Gnade.

Ursprünglich sollte „Filth and Wisdom“ ein Kurzfilm werden, aber dann wuchs die Geschichte „mit meiner Liebe zu ihr“ – eine Geschichte über die „Dualität des Lebens“ und den Kampf der Gegensätze. Den habe sie wie ihre drei Hauptfiguren ebenfalls kennengelernt und führe ihn noch immer. „Trotz meines Erfolges kämpfe ich weiterhin darum, meinen Weg zu finden, darum, nicht irregeführt zu werden durch Illusionen. Ich schwanke immer zwischen Licht und Dunkelheit.“ Aber die Unterschiede zwischen eigener und Filmgeschichte hebt sie dann doch lieber hervor. Nein, an der Stange tanzen wie Holly im Film musste sie nie.

Was ihr beim Regieführen gefehlt hat: „Die physische Erfahrung.“ Auch sei es eher Kopfarbeit, nicht so emotional wie ihre Auftritte auf der Bühne. Sicher hat sie für ihr Debüt hinter der Kamera auch Ratschläge bekommen, darauf gehört hat sie nicht: „Ratschläge sind wie Arschlöcher.“ Letztlich müsse man sie über Bord werfen und eigene Wege gehen. Wobei das Regieführen eigentlich gar keine Arbeit gewesen sei, sagt sie und rühmt den „Zauber, der entsteht, wenn man die eigenen geschriebenen Worte plötzlich aus dem Mund von Schauspielern hört“. Das fand sie „ganz toll“.

So toll, dass sie damit weitermachen will, mit der Musik aber auch. Einen Dokumentarfilm über Malawi hat sie bereits gedreht, in Cannes soll er gezeigt werden. Dann geht das Geschiebe und Geschubse bestimmt noch heftiger los.

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