Kultur : Lächelnde Distanz

ISABEL HERZFELD

BSO-Solisten mit Gästen spielen Kammermusik ohne PathosVON ISABEL HERZFELDDas war Kammermusik vom Feinsten, kultiviert, ohne Betulichkeit, ausgewogen, lebendig nuanciert.Dafür hatte das Berliner Sinfonie-Orchester seine Solisten durch kluge "Ausleihen" ergänzt: Matthias Wollong, erster Konzertmeister beim "benachbarten" Rundfunk-Sinfonieorchester, und der Pianist Frank-Immo Zichner gaben bestimmende Impulse und fanden gleichzeitig auf Anhieb die richtige Balance mit ihren Kollegen - keine Selbstverständlichkeit, denn Zichner mußte kurzfristig für die erkrankte Ursula Singer einspringen.So gab es kein "Grand sestetto" von Glinka, statt dessen mit Mozarts Klavierquartett g-moll ein Standardwerk: Doch das erklang wie neu aufpoliert in einer sehr schlanken Diktion, ohne dämonisierendes Pathos.Keine Verharmlosung war das, eher liebevoll lächelnde Distanz.Mit Schuberts Adagio Es-Dur D 897 hatten Wollong, Zichner und der Cellist Friedemann Ludwig zuvor eine ganz besondere Atmosphäre entfaltet, den Titel "Nutturno" in zarteste Töne von beklemmender Schönheit, eine erstarrte Harmonie, übersetzend.Der Mut zum wirklich langsamen Tempo, mit leichten Dehnungen zum Taktende hin, war hier ausschlaggebend.So konnte Ludwig auch das lyrische Kopfthema im Klavierquintett A-Dur von Antonin Dvorák entspannt aussingen, das die übrigen Musiker mit heftigen Temperamentsausbrüchen und schwärmerischer Klangsinnlichkeit kontrastierten.Den schlanken Streichern setzte Zichner äußerste Vorsicht und Sorgfalt entgegen.Der zweite Satz gehörte ganz dem warmen, die Elegie bis zur Neige auskostenden Bratschenton von Constanze Fiebig.Im spritzigen "Furiant" durfte Christoph Kulicke Wollongs Silbertönen herberes, gedeckteres Timbre charaktervoll entgegensetzen.Lockerheit und Leichtigkeit bei allem gebotenen Tiefgang - und tosender Beifall im kleinen Schauspielhaus-Saal, der bis auf den letzten Stehplatz gefüllt wieder einmal bewies, wie sehr die Programme dort angenommen werden.

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