Lana Del Rey und ihr Album "Born To Die" : Lady Lolita

Die 25-jährige New Yorker Sängerin Lana Del Rey ist der Popstar der Saison. Sie verkörpert den Männertraum vom bösen Mädchen und frisiert sich wie eine Hollywood-Diva aus den fünfziger Jahren. Jetzt ist ihr Album "Born To Die" erschienen.

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Verführerisch: Lana del Ray.
Verführerisch: Lana del Ray.Foto: dpa

Graue Jeans, grünes T-Shirt, blond gefärbte Haare. Die Sängerin, die am 8. Juni 2009 auf der Bühne der New Yorker „Variety Box“ auftritt, wirkt brav und talentiert. Sie singt zwei jazzige Balladen, in denen es um Tattoos und Dollarnoten geht. Lizzy Grant heißt die scheu lächelnde Frau, deren rund achtminütige Performance später auf Youtube über 300.000 Mal angeklickt werden sollte.

Schulterfreies Oberteil, Schlafzimmerblick, rotbraune Haarmähne. Die junge Sängerin, die am 19. August 2011 ein Musikvideo bei Youtube hochlädt, hat grotesk volle Lippen und singt mit lasziver Stimme. Dazu sind wackelige Bilder von Skateboard fahrenden Jugendlichen, betrunkenen Starlets, dem Hollywoodschriftzug, einer Skyline und der US- Flagge zu sehen. Lana Del Rey heißt die Frau, deren Song „Video Games“ auf Youtube mittlerweile mehr als 22 Millionen Mal angesehen wurde.

Lizzy und Lana scheinen von verschiedenen Planeten zu stammen und sind doch ein und dieselbe Person: Elisabeth Grant, geboren 1986 in New York, aufgewachsen im Wintersportort Lake Placid. Wie sie innerhalb von zwei Jahren aus einer Nachwuchshoffnung die meistgehypte Sängerin der westlichen Hemisphäre werden konnte, gehört zu den Mysterien, die das Popbusiness von Zeit zu Zeit hervorbringt. Als wollte sich die Branche beweisen, dass ihre Sensationsmechanismen weiterhin funktionieren, feierte sie Lana Del Rey seit dem Herbst flächendeckend ab – egal ob Onlinemedien, Musik- oder Tagespresse, alle schwärmten für die New Yorker Sängerin.

Die Basis dafür war zunächst nur „Video Games“, später folgten die Singles „Blue Jeans“ und „Born To Die“. Zusammen ergeben sie eine Art Triptychon, das das Universum der selbst ernannten „Gangster Nancy Sinatra“ vorstellt. Es ist zugleich das Herzstück ihres am heutigen Freitag erscheinenden Albums „Born To Die“, dessen zusätzliche neun Songs gegen die drei Auskopplungen deutlich abfallen, sie wirken wie Füllmaterial aus einer x-beliebigen R’n’B-Schmiede. Der Sound ihrer Hits ist bis zum Rand erfüllt von Melancholie und Nostalgie, er wälzt sich in flauschigen Streicherbetten und wird mal von dezenten, mal von dynamischen Beats angetrieben. Dramatische Pausen sind so wichtig wie dekorative Chris- Isaac-Gitarren und dezent angeschlagene Klavierakkorde. Im Zentrum steht Lana Del Reys Stimme, die einen beachtlichen Umfang und ein untrügliches Gespür für Drama hat. Sie bleibt im Kopf wie der monotone „It’s you, it’s you, it’s all for you“- Refrain von „Video Games“.

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