Kultur : Landgang

Kultur retten: 20 Jahre Stiftung Preußische Seehandlung

Hermann Rudolph

Sie ist eine der heimlichen Stützen der Berliner Kultur. Wann immer die öffentlichen Haushalte an ihre Grenzen geraten – und wann tun sie das nicht – oder förderungswürdige Veranstaltungen nach einem Unterstützer suchen, richtet sich der Blick auf die Stiftung Preußische Seehandlung. Vermutlich sieht es die Stiftung deshalb ganz gerne, dass ihr Zweck – die Förderung kultureller und wissenschaftlicher Aufgaben – durch ihren Namen mit dem Schleier des Historischen verhüllt wird. Es entrückt sie dem unmittelbaren Zugriff und erlaubt ihr, als Geber eigenen Charakters aufzutreten, abgesichert durch Stiftungsrat und Stiftungsvorstand, in denen Interesse und Sachverstand gegen beliebige Begehrlichkeiten geschützt sind.

Nicht zuletzt ist der Name ein Tribut an den Wunsch, altes und neues Berlin zu verknüpfen. Den Grundstein legte der Ehrgeiz Friedrichs des Großen, mit weltweitem Seehandel seinem Land aufzuhelfen. Es folgte die Mutation der Seehandlung zur Preußischen Staatsbank sowie – nach dem Krieg – eine lange Prozedur, in der sich die Brüche und Kontinuitäten der Berliner Nachkriegsgeschichte spiegeln. Am Anfang stand, 1947 die Liquidierung der Bank durch die Alliierten, dem folgten fast 30 Jahre Abwicklung, schließlich ein endloses Hin und Her über die Verwendung des Vermögens. Erst 1983, also vor 20 Jahren, schlug der Beschluss des Weizsäcker-Senats das wirtschaftliche Kapitel dieser Geschichte zu und eröffnete mit der Gründung der Stiftung ein neues.

Seither hat die Stiftung mit Preisen, Stipendien und Förderungen ihren Anteil an der Berliner Kultur. Sie verleiht seit 1888 den Berliner Theaterpreis und seit 1994 einen Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung. Sie vergibt das Erich Kästner-Stipendium (siehe Meldung unten) und Berlinstipendien für Autoren aus Mittel- und Osteuropa. Sie hat den Ankauf von Nachlässen mitfinanziert – von Hans Werner Richter bis zu den Briefen Gottfried Benns an seine Tochter Nele – und förderte Forschungen zu Preußens Geschichte. Sie tut das mit minimalem Aufwand und bemerkenswerter Kontinuität, wofür ebenso ihr Vorsitzender Walter Rasch steht, der die Stiftung seit Beginn leitet, wie Christa Müller, die die Geschäfte im kleinen Büro am Spandauer Damm gegenüber dem Charlottenburger Schloss führt.

Ihr 20. Jubiläum begeht die Stiftung an diesem Sonntag mit feinem Sinn für Tradition: Festredner ist Mitbegründer Richard von Weizsäcker, Ort des Festakts das Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, wo einst die Seehandlung ihren Sitz hatte.

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