Kultur : Lange Nacht der Museen: Die im Dunkeln funkeln

Frederik Hanssen

Ganz mag sie auch als Berliner Kulturstaatssekretärin die Rolle der Oppositions-Frau nicht ablegen: Wenn sich die Crème der lokalen Politik bei der 10. "Langen Nacht der Museen" im Promibus zu hippen Bildungsbürger-Locations chauffieren lässt, organisiert Alice Ströver einfach einen Gegen-Trip zu jenen hauptstädtischen Ausstellungs-Orten, an denen es brennt, deren Zukunft ungewiss ist. Beispielsweise zum Ägyptischen Museum. Dank Nofretete steht es zwar in der Hitliste der Berliner Besucherzahlen auf Platz zwei und macht das Charlottenburger Museumsquartier zum Publikumsmagneten - doch was wird aus dem Standort, wenn die großartige Sammlung 2006 auf die Museumsinsel umzieht, dorthin, wo bereits die Galerie der Romantik aus dem Schloss eine neue Heimat gefunden hat? Seit der Plan, hier ein internationales Foto-Zentrum einzurichten, geplatzt ist, droht der stark geschundenen Charlottenburger Kulturlandschaft (Schließung des Schiller-Theaters, Privatisierung des Theater des Westens) weiterer Imageverlust.

Noch ganz am Anfang einer Karriere als Ausstellungsort steht die Kunstfabrik am Flutgraben, eine Nachbarin der "Arena". In diesem ehemaligen Ikarus-Busreparaturwerk an der Grenze zwischen Treptow und Kreuzberg träumen 40 Künstler und ihr Förderverein davon, den zum Atelierhaus umdefinierten Backsteinbau zu kaufen. Nicht nur wegen des traumhaften Blicks über Spree und Osthafen, drängt sich die Idee auf, das Gebäude als Veranstaltungsort zu institutionalisieren: Es gibt wohl nur wenige Plätze in Berlin, an denen die jüngere Geschichte zwischen 20er-Jahre-Aufbruchstimmung und DDR-Realität so greifbar wird - wegen seiner Wasserlage hatten Grenzsoldaten die Fabrik regelrecht zur Festung ausgebaut. Weil solch eine Umwidmung aber kostet, bekommt die grüne Staatssekretärin hier jene Worte zu hören, die man ihr in unterschiedlichen Formulierungen auch an den weiteren Stationen der "etwas anderen Kulturtour" mit auf den Weg gibt - in der Gauck-Birthler-Behörde (bei der Museums-Nacht wegen der Stasi-Dauerausstellung dabei), im Centrum Judaicum und in der mit ABM-Geldern betriebenen Inselgalerie / Mitte: "... dann muss eben der Senat helfen..."

Die Tatsache, dass auch die Berliner Museen mit heftigen Problemen kämpfen, ist durch die hitzigen Opern- und Theaterdebatten der letzten Jahre weitgehend überdeckt worden. Vielleicht fehlt diesen Häusern einfach eine Selbstdarsteller-Truppe à la Peymann, Barenboim und Co. "Museen sind eine Art geistige Bundesbank, die die Kultur-Wertpapiere des Landes verwaltet", hatte der Dirketor des Ägyptischen Museums, Dietrich Wildung, fein formuliert. Banker sprechen gewöhnlich eher leise - wie gut, dass sie Alice Ströver als Sprachrohr haben.

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