Lars Vogt spielt Mozart : Tod und Erklärung

Der Pianist Lars Vogt zu Gast beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin.

Meisterhaft unaufdringlich. Der Pianist Lars Vogt.
Meisterhaft unaufdringlich. Der Pianist Lars Vogt.Foto: Felix Broede

Man stelle sich eine gute Theateraufführung irgendeines klassischen Dramas vor, nach welcher der Hauptdarsteller noch einmal vor den Vorhang tritt, mit einfachen Worten eine kurze berührende Geschichte erzählt – und plötzlich scheinen die vielen anderen Erlebnisse vor ihr wie hinter einem Schleier zu verschwinden. So ähnlich konnte es einem bei Lars Vogts Zugabe nach seinem Auftritt in der Philharmonie mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Dirigenten Alexander Shelley ergehen. Lapidar und doch eindringlich heben sich bei Leoš Janáceks Miniatur „Die Madonna von Frýdek“ die folkloristisch sinnenden Figurationen der rechten Hand über die herrlich dichte, schwarzdunkle Tiefe bis in einem überraschenden aber völlig unpathetischen Moment der Epiphanie die ganze Szenerie in schimmerndes Dur getaucht wird, ohne im Geringsten ihre kontemplative Ruhe zu verlieren.

Was nicht bedeuten soll, dass nicht auch Mozarts großes dramatisches d-moll Klavierkonzert KV 466 des Hörens und Erinnerns wert gewesen wäre: Partnerschaftlich ist das Wechselspiel zwischen Solist und Ensemble, bei dem Vogt mal die Leidenschaft auch äußerlich sichtbar mit energischem Fußklopfen und ausladender Armbewegung an das Orchester weiterreicht oder dann wieder das von Shelley schön ausgehorchte Linienspiel der Bläser mit silbernem Klanggespinst unterfüttert. Doch Vogts Kunst, mit so unaufdringlichen Mitteln wie einem gerade nicht extra betonten Spitzenton oder genau eingesetzten Farben im Bass starke Aufmerksamkeit zu erzeugen, beherrscht Shelley nicht im gleichen Maße: Seinem Mozart fehlt es bei aller Leidenschaft und klug gesetzten Kontrasten an Geheimnis.

Stimmiger wirkt nach der Pause Mozarts „Maurerische Trauermusik“ – wobei das kompakte Stück in seiner von den Bläsern schön ausgemalten farbigen Düsternis und dem aufmerksam gesetzten erlösenden Schluss in simplen Dur auch wiederum eine Hypothek für Richard Strauss’ opulente Tondichtung „Tod und Verklärung“ darstellt. Die großen Linien und die kleinen Soli (herauszuheben die Oboe) sowie die orchestralen Steigerungen sind nachvollziehbar inszeniert, doch weder hat Shelley den Mut, das beunruhigend Hypertrophe dieser jugendlichen Todesphantasie herauszustellen, noch bringt er alle Orchesterfarben zum Leuchten – und so wird dieser aufwendig imaginierte Künstlertod lediglich zu einem Erlebnis, aber zu keiner Grenzerfahrung.

Übertragung am 25.2. ab 20.04 Uhr im Kulturradio des rbb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar