Lars von Trier : Dänen lachen nicht

Regisseur Lars von Trier hat gerade eine schwere Depression überstanden - und mault und nörgelt, wo er nur kann. Eine Analyse von Christiane Peitz

Dass Künstler keine besseren Menschen sind und schon gar keine gesünderen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Wer unter Angst und Schmerzen leidet, wer den glühenden Hass oder den Liebeswahn hegt und seine Affekte vorzugsweise obsessiv auslebt, der hat weit besserere Chancen, große Literatur, Malerei oder Filmkunst zu schaffen, als sanftmütige Artgenossen. Hier soll nicht von der gern als besonders virulent eingestuften Künstler-und-Drogen-Problematik die Rede sein, sondern von anderen, quälenderen Methoden der Bewusstseinserweiterung, nach dem Motto: Wohl dem, der chronisch schlecht schläft und zwischen Versagensangst und Größenwahn taumelt. Prousts krankhafte Menschenscheu ist Legende, ebenso Botho Strauß’ Berührungsphobie, Martin Amis’ Zahnobsession, Bob Wilsons Stuhlsammelwut oder Woody Allens Tunnelangst. Der Däne Lars von Trier toppt sie alle: Er ist in etwa so öffentlichkeitsscheu wie Bob „I’m Not There“ Dylan, rennt ständig zum Therapeuten und nennt neben seiner Panik vorm Fliegen (für „Dancer in the Dark“ fuhr er mit dem Wohnmobil zu den Filmfestspielen nach Cannes) auch Krebsphobien und Sterbeängste aller Art sein eigen. Nun hat er, wie er vor wenigen Tagen der israelischen Tageszeitung „Ha’aretz“ verriet, gerade ganz im Ernst eine schwere Depression überstanden.

Lars von Trier, dem die Filmwelt so großartige und streitbare Filme wie „Breaking the Waves“ oder „Dogville“ verdankt und der leiderleider die Regie des Bayreuther „Rings“ für 2006 abgesagt hatte – dieser Meisterverweigerer kommt im „Ha’aretz“-Interview superschlechtgelaunt daher. „Alles, wirklich alles ist Kommerz“, sagt er da, „besonders die Liebe.“ Er mault und nörgelt, wo er nur kann. Nennt Ingmar Bergman toter als tot. Beschimpft das dänische Königshaus als „total dämlich“ und die königliche Familie „als simple Leute von schlechter Qualität“. Das empört nun selbstredend die dänische Presse. Dabei ist Lars von Triers üble Nachrede auf Königin Margrethe und Co. nachgerade schmeichelhaft, vergleicht man seine Wortwahl mit dem, was er über sich selbst sagt. Lars von Trier, der sei ein „Arschloch, Arschloch, Arschloch. Nicht mal jüdisch, leidet unter Depressionen, taugt nicht zum ordentlichen Katholiken. Einfach ein großes Arschloch“.

Depressionen lähmen, schlechte Laune hat dagegen Energieschubkraft. Schöne Hoffnung: Lars von Trier wird wieder kreativ. Und Kunst, das ist der Geist, der Böses will und Gutes schafft.

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