Kultur : Lass die Hüllen fallen!

ROCK

Daniel Völzke

Hinreichend oft hat der Rockstar Marilyn Manson erklärt, dass er seine Inspiration neuerdings im Berlin der Zwanzigerjahre findet statt nur in christlicher und antichristlicher Symbolik. Dadurch erhielt sein Konzert in der Berlin-Arena eine besondere Aura innerhalb der „Grotesk Burlesk“-Tour. Schon im Frühling konnte man den Fürst der Finsternis in der Volksbühne erleben – ein Ort der weit besser die Mischung von german angst und Vaudeville in Mansons Musik unterstützt als die riesige Sportarena.

Die in Berlin lebende Peaches beginnt den Abend als Ein-Personen-Vorband und verachtet sauber das Publikum. Von der mit Tüchern verhangenen Manson-Kulisse wirkt sie wie eine wütende Vampirjägerin in Draculas Schloss, die sich zwischen den zugedeckten Möbeln schon mal warm macht, bis der Meister erwacht.

Nach einer Pause fallen die Hüllen. Manson sitzt auf einem Thron, hinter ihm tatsächlich ein Schlossgiebel. Er brüllt: „Let us entertain you!“ Die Rotte hat nichts dagegen und rastet sofort aus. Marilyn, die Killerdiva in Gaultierkostüm, wankt und krümmt sich, spuckt und geifert und fährt viel Requisite aus dem Fundus der Gegenaufklärung auf. Gespielinnen zeigen mit angepappten Hintern, was Amerikaner sich unter Dekadenz vorstellen. Das Jahrhundert ist zwar noch frisch, aber Fin-de-Siècle-Stimmung unterhält nun mal am besten.

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