Kultur : Laß knallen, Rudi!

JÖRG KÖNIGSDORF

Buchbinder spielt Beethoven - das steht wie kaum eine andere Koppelung für grauen Konzertalltag, Klavierspiel ohne Ausfälle, aber auch ohne Provokation oder Rafinesse.Seit Dekaden gilt der Wiener als Beethoven-Spezialist - weshalb, wurde auch diesmal nicht deutlich.

Immerhin gelang das Es-Dur-Konzert in der Philharmonie etwas lebendiger als Rudolf Buchbinders letzter Beethoven-Auftritt vor Jahresfrist (mit dem RSB unter Frühbeck), ein Verdienst, das man aber eher Herbert Blomstedt am Pult des DSO zuschreiben möchte.Denn dem neuen Leipziger Gewandhaus-Chef scheint das Begleiten nicht nur lästige Pflicht.Sinnstiftend kontrastiert er den martialischen Drive im Kopfsatz mit dem lyrischen Seitenthema, animiert seinen Solisten immer wieder zum poetischen Ritardando-Ausatmen.Behutsam spinnt Blomstedt den gedämpft schwebenden Charakter des Mittelsatzes aus, das Finale atmet rechten Joie-de-vivre-Überschwang, ohne doch Buchbinder damit hinreichend anstecken zu können.Immer wieder zerstört er am Klavier die vom Orchester aufgebaute Stimmung.Lyrisches gerät ihm zu versäuselt - in den Begleitfiguren manchmal bis zur Unhörbarkeit zugewischt -, Auftrumpfendes wie der Soloeinsatz des Finalthemas kündet nur von berserkerhafter Knalligkeit - dem Vielspieler scheint die Spiellaune längst abhanden gekommen zu sein.

Ohne solistische Wermutstropfen läuft dagegen Dvoráks Achte Sinfonie ab.Blomstedt gelingt hier eine animierte Wiedergabe, deren leichter sinfonischer Überdruck nie ins Poltrige ausrutscht.Die straffen Tempi sorgen für melodische Frische und gewährleisten den Zusammenhalt der Großform: Noch das Adagio wahrt den vorantreibenden Puls, der elegant dahingleitende Scherzo-Walzer behält seinen episodenhaften Charakter.

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