Kultur : Lass Lilien sprechen!

Das Bröhan-Museum zeigt Kunsthandwerk rund um die Iris

Katrin Wittneven

Wenn jemand etwas durch die Blume sagt, steckt meist Verschleierungstaktik dahinter. Das gilt auch in der Kunst: Welkende Blüten stehen für Vergänglichkeit, knospende für die Jugend, auch manch unterschwellige Botschaft von weißen Lilien oder roten Rosen überdauerte die Zeit. Die Kunsthistorikerin Helene Blum-Spicker hat sich darauf spezialisiert, der Ikonographie von Pflanzen nachzuforschen. Im nordrheinwestfälischen Zons hat sie Ausstellungen über den Ginko, die Mistel, den Mohn und zuletzt die Iris zusammengestellt; das Berliner BröhanMuseum beteiligte sich mit Leihgaben. Wobei das eine oder andere kostbare Stück aus der Jugendstil- und Art- Deco-Sammlung aus konservatorischen Gründen die Reise nicht antreten konnte: Grund genug für Ingeborg Becker vom Bröhan-Museum, die IrisAusstellung nach Berlin zu holen und sie durch neue Leihgaben zu ergänzen.

120 Objekte sind zusammengekommen: von Herbarienblättern und Gipsmodellen über Gemälde, Gürtelschnallen und Dekorationsstoffe bis zu regenbogenartig schimmernden Vasen. Diese Vielfalt kommt nicht von ungefähr, vermittelte die geflügelte Götterbotin Iris in der griechischen Mythologie doch als Personifikation des Regenbogens zwischen Olymp und Unterwelt. Nach dem griechischen Wort für Regenbogen wurde die vielfarbige Schwertlilie denn auch benannt.

In stilisierter Form ziert die Iris in verschiedenen Variationen das französische Herrschaftsattribut fleur de lis und findet sich auf zahlreichen Wappen, wie dem von Brüssel oder der kanadischen Stadt Québec. In der christlichen Symbolik ist sie meist Maria und der Verkündigung zugeordnet oder wird mit ihren schwertartigen Blättern auch als Symbol für Schmerzen eingesetzt. Die jüngste Blütezeit ist der Jugendstil: In der Ausstellung dokumentieren das eindrucksvoll leuchtend-farbige Wandteller, florale Glasschalen, silberne Leuchter, zartes Geschirr und immer wieder Vasen, für die sie mit ihren kelchartigen Blütenblätter prädestiniert ist.

Leihgaben aus dem Ostasiatischen Museum erweitern die Ausstellung um die Bedeutung der Pflanze in Asien, wo sie für männliche Tugenden steht und als Zeichen des Sieges beim traditionellen Knabenfest den Raum schmückt. Spätestens bei den mehrfarbigen Holzschnitten aber wird die erotische Symbolik dieser Blume deutlich: wenn etwa Kurtisanen Sträuße binden oder ein Mädchen nach dem Bad leicht bekleidet an einen Gartenteich mit Schwertlilien tritt. Diese Konnotation der Iris bleibt im Begleitbuch weitgehend unerwähnt und würde in der fast nüchternen Ausstellungsatmosphäre untergehen, wenn nicht die Objekte selbst mit ihrer glitzernden und geradezu lasziven Eindeutigkeit noch ganz andere Geschichten erzählten.

Bis 25. Juli; Di bis So 10–18 Uhr; Katalog 25 €

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