Kultur : Lasst eure Bögen tanzen! 25 Jahre Freiburger Barockorchester

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An diesem Donnerstag laden sie in Berlin auf den „West-östlichen Divan“. Im Kammermusiksaal der Philharmonie wird das Freiburger Barockorchester den Einflüssen osmanischer Musik auf die europäischen Komponisten des 18. Jahrhunderts von Gluck bis Mozart nachspüren. Seit 1999 hat die Truppe eine eigene Konzertreihe in der deutschen Hauptstadt, in dieser Saison feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen.

Auf einer Silvesterparty im Jahr 1985 beschlossen Petra Müllejans, Gottfried von der Goltz und Thomas Hengelbrock, im neuen Jahr mal auf alten Instrumenten zu spielen. Das aus einer Sektlaune geborene Unternehmen wurde mehr als ein flüchtiges Abenteuer. Regelmäßig trafen sich nun einige Schüler der Violinklasse von Rainer Kussmaul an der Freiburger Musikhochschule und ein Cembalist, gruben Noten aus und lasen Quellentexte zur historischen Aufführungspraxis. Es ging leidenschaftlich zu in den Proben, es wurde viel diskutiert.

1989 machte das Orchester beim Hamburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Wettbewerb die dort versammelte Alte-Musik-Szene auf sich aufmerksam, 1990 nahmen sie ihre erste CD auf, im Jahr darauf folgten Debüts im Pariser Théâtre des Champs Elysées und im Amsterdamer Concertgebouw. In Freiburg, Stuttgart und Berlin etablierte das Orchester erfolgreich eigene Konzertreihen. Seit 1990 ist das Orchester als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts organisiert. Als Gesellschafter erhalten die Orchestermitglieder kein festes Gehalt, sondern werden nach Tagessätzen entlohnt. Dafür können die Musiker über Programme und Projekte mit entscheiden.

Längst konzertieren sie mit Weltstars wie Cecilia Bartoli, arbeiten regelmäßig mit renommierten Dirigenten wie Trevor Pinnock, Philippe Herreweghe, Ivor Bolton und René Jacobs zusammen. Gerade mit René Jacobs besteht eine enge Zusammenarbeit, die sich auch in zahlreichen, preisgekrönten Opernaufnahmen zeigt, zuletzt Mozarts „La Finta Giardiniera“.

Bis zu 100 Konzerte geben die Freiburger im Jahr. Trotzdem wirkt das Ensemble unverbraucht, ein tänzerisches Moment liegt stets in ihrem Spiel. Mit einem Dirigenten arbeiten sie nur bei großformatigen Projekten zusammen. Ansonsten leiten Petra Müllejans und Gottfried von der Goltz vom Konzertmeisterpult aus das Orchester – mit Gesten, Blicken, markierten Bogenstrichen und auch einmal mit höfischen Tanzschritten. Ausschließlich Barock spielt das Orchester übrigens schon lange nicht mehr. Mozart, Haydn, Beethoven und Mendelssohn gehören zum festen Repertoire; selbst zeitgenössische Musik ist kein Neuland mehr. Georg Rudiger

28. Februar, Kammermusiksaal, 20 Uhr

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