Kultur : Lasst Höhlenmenschen kicken

Robert Wilson über seine Fußball-Oper und seine Liebe zu Hedwig Bollhagen

Matthias Oloew

So ganz genau weiß er noch nicht, wie’s am Ende aussieht. Aber konkrete Vorstellungen von der Kurz-Oper, die anlässlich der Fußball-WM in Berlin auf die Bühne kommt, hat Robert Wilson schon. „Wir werden mit aufblasbaren Figuren arbeiten, mit Puppen und Animationen“, erzählt der Regie-Star im Grand Hyatt. Um was es geht? „Wir lassen Dinosaurier und Höhlenmenschen Fußball spielen.“

Theaterregisseur Robert Wilson besuchte die Berlinale, um bei der Premiere des Dokumentarfilms „Absolute Wilson“ dabei zu sein. Und er war in der Stadt, um sich mit Herbert Grönemeyer zu treffen. Grönemeyer wird, wie bereits berichtet, die Musik für die Wilson-Fußball-Oper komponieren. Und der kanadische Sänger Rufus Wainwright wird einige der Stücke singen. „Premiere: 2. Juni an der Staatsoper“, sagt Wilson und verabschiedet sich. Es war einer seiner vielen Besuche in der Stadt.

Wilson mag Berlin. Das bestätigte er noch einmal im Anschluss an die Filmpremiere. Hier hat er in den letzten Jahren viel mehr gearbeitet als in den USA und er beneidet die Berliner, wie auch die Europäer um ihre reiche Kulturlandschaft mit den vielen Theatern und Opernhäusern. Aber er ist kein Typ für den Müßiggang. „Ich bin nicht jemand, der morgens aufwacht, zur Arbeit geht, nach Hause kommt und dann fern sieht“, sagt er. Er arbeitet immer, und es arbeitet immer in seinem Kopf, deshalb jettet er rastlos durch die Welt, inszeniert, konzipiert und denkt nach. Übers Theater, zum Beispiel.

„Ich glaube, dass Natürlichkeit im Theater eine Lüge ist“, sagt er, „es ist eine künstliche Welt.“ Deshalb müsse sie auch so dargestellt werden: „Man muss immer ehrlich sein, in dem, was man tut.“ Deshalb haben seine Figuren oft maskenhafte Gesichter, bewegen sich künstlich und sprechen auch so. „Mein Theater ist formal, und es ist wichtig, dass man lernt, wie man zum Beispiel auf einer Bühne steht.“ Ja, sagt Wilson, nur ganz wenige Künstler könnten das, einfach auf der Bühne stehen, und sie doch ausfüllen. Die Opern-Sängerin Jessye Norman fällt ihm ein, aber auch die junge Berliner Schauspielerin Fritzi Haberlandt. Wilson ist geradezu vernarrt in sie, „adorable Fritzi“ – anbetungswürdig, so beschreibt er sie.

Eine andere Frau hat er, der bekennende Homosexuelle, immer angebetet, wenn er in Berlin war: Hedwig Bollhagen. Er liebt ihre Keramikkunst. Bei seinem Gespräch mit dem Tagesspiegel erinnerte er sich an eine seiner ersten Begegnungen mit ihr. „Ich besuchte sie in Marwitz, kurz nach ihrem Geburtstag, und brachte Rosen mit. Sie schaute etwas ungläubig und fragte mich, ob ich ihr einen Antrag machen wolle. Ich war platt und sagte spontan: ja.“

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