Kultur : Laßt mich arbeiten!

FREDERIK HANSSEN

Udo Zimmermann freut sich auf Berlin.Das hört man, wenn man mit dem designierten Nachfolger von Götz Friedrich für die Deutsche Oper telefoniert.Live wird er erst am Freitag in Berlin zu erleben sein, bei der offiziellen Pressekonferenz mit seinem künftigen Dienstherrn, Kultursenator Radunski.Gestern leitete er in Wien bei einem Staatsakt zur Erinnerung an die Befreiung des KZs Mauthausen seine Oper "Die weiße Rose".Es wird vielleicht sein letzter Auftritt als Dirigent und Komponist für lange Zeit sein - denn in den nächsten Monaten hat eines für ihn Priorität: Die Planung der Spielzeit 2001/2002."Ab dem 1.August 2001 ist nichts, aber auch gar nichts mehr geplant.Das ist eine Katastrophe.Im Grunde müßte der neue Intendant eine Auszeit haben, die Spielzeit 2001/2002 müßte zu einer Null-Spielzeit erklärt werden, in der man Übergänge schafft.Natürlich kann ich jetzt Achim Freyer fragen und Luc Bondy, und ich denke, mir zuliebe wird der eine oder andere mir helfen, aber im Grunde sind alle längst verplant." Pläne gibt es genug: Zimmermann will das äußere Erscheinungsbild des Hauses erneuern und die Zahl der Opernpremieren auf sechs erhöhen, will endlich den Regisseur Peter Konwitschny nach Berlin holen, den Architekten Daniel Libeskind als Bühnenbildner gewinnen und als Gastdirigenten Kent Nagano und Giuseppe Sinopoli.Und er träumt davon, im Schiller-Theater eine europäische Opernschule zu eröffnen, wo Teams in einer Werkstatt-Atmosphäre "wie in Bayreuth oder Salzburg" zusammenarbeiten können, wo man sich die Zeit nehmen kann, junge Sänger in ihrer Entwicklung zu begleiten.Mit anderen Worten: Wenn die Berliner Festspiele mitmachen, wird im Schiller-Theater genau die Experimentierbühne entstehen, für die Götz Friedrich sechzehn Jahre lang vergeblich gekämpft hat.

Und wie hält er es mit Chistian Thielemann, dem streitbaren Generalmusikdirektor der Deutschen Oper? "Ich möchte mir die Freiheit gestatten, mit ihm ganz offen zu reden", sagt Zimmermann.Selbstverständlich solle Thielemann weiter seinen Wagner dirigieren, außerdem will Zimmermann auch dessen Ambitionen in Sachen "klassische Moderne" fördern.Er habe im Gegensatz zu manchem Kollegen keine Probleme mit Thielemann, fügt er hinzu.Nur auf einen innerbetrieblichen Machtkampf wolle er sich nicht einlassen: "Dazu habe ich weder Lust noch Zeit." Es kommt viel Stress auf Udo Zimmermann zu in den nächsten Jahren, darüber ist er sich klar.Darum hat er zur Zeit auch nur einen Wunsch: "Laßt mich einfach arbeiten!"

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