Kultur : Lastwagen aus Tahiti

FEST DER KONTINENTE

Ulrich Pollmann

„Das soll Musik sein?“, fragt sich ein feinsinniger Zeitgenosse, der im großen Saal des RBB mit traditioneller Musik aus dem präkolonialen Buganga konfrontiert wird. Dem Mann kann geholfen werden: Was das ugandische Amadinda Ensemble im Rahmen des Festes der Kontinente präsentiert, ist ganz sicher keine Konzertmusik. Leier, Flöte, Trommeln und Stimmen wiederholen einfache Motive, diese sind unterschiedlich lang und überlagern sich in komplexer Weise. So bilden sich feine Zeitverschiebungen, die bekanntlich auch György Ligeti inspiriert haben. Es ist eine Musik, die Verzahnungen alltäglicher Abläufe, Arbeitsvorgänge, ja soziale Muster zum Klingen bringt. Auf ein mitteleuropäisches Konzertpodium gestellt, wirkt sie eigenartig deplaziert, aber doch erfrischend.

Leichteres Spiel hat die ebenfalls vierköpfige ungarische „Amadinda Percussion Group“ aus Budapest im zweiten Teil des Konzerts, die ein Showprogramm sondergleichen hinlegt. Stücke aus Bali, Tahiti, eine tolle Nummer aus dem Baskenland reißen das Publikum mit. Eine ganze Lastwagenladung von Instrumenten bietet das Ensemble auf, die Darbietung entwickelt Züge des Artistischen. War noch was? Ach ja, „Ligetis Klangwelten“ nannte sich der Abend. Nun, freundlich ausgedrückt, wurde dieser Bezug nicht immer so ganz deutlich. Macht nichts, war trotzdem schön.

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