Kultur : Laut & gut

Status Quo musizieren im Berliner Tempodrom.

H. P. Daniels

Die Londoner Band Status Quo ist ein Phänomen. Nachdem sie mutiert sind von einer mäandernden Psychedeliktruppe zu geradlinigen Boogie-Rockern, spielen sie seit 40 Jahren eigentlich immer wieder denselben Song – in unterschiedlichen Variationen. Drei Akkorde, Shuffle-Rhythmus. Mitreißend rhythmischer Gitarrenlärm als Antidepressivum. Die ewige Wiederholung des Altbewährten, das Festhalten am Status quo, können sich bestenfalls noch Motörhead leisten. Großer Spaß in Endlosschleife: „Together we can rock ’n’ roll“. Fröhlich zusammen abrocken das können sie wirklich. Und nehmen sich selbst dabei nicht so ernst. Das vorletzte Album hieß: „In Search of the Fourth Chord“. Immer wieder blitzt auch dieser nette Monty-Python-Humor auf.

Doch vor das Vergnügen im ausverkauften Tempodrom haben die Rock-’n’- Roll-Götter erst mal eine Vorgruppe gesetzt: deren kitscheliger Hardrock frappierend an dieses Lied erinnert, das einem fast den Sommer von 1985 verdorben hätte. Was war das noch? Tatsächlich, da singen sie’s schon: „Life is life … lallah-la- lallah!“ Eine Stunde Opus aus Österreich sind der Härtetest. Dann endlich knattern die Telecaster-Gitarren von Status Quo aus einer weißen Wand von Marshall-Verstärkern. Sie brettern ihre Songs in rasender Geschwindigkeit runter, die manchen Jungpunk alt aussehen lässt. Brüllend laut. Aber auch leise, denn sie beherrschen die Kunst der Dynamik. Jeder Break, jeder Einsatz kommt exakt auf den Punkt, dass es eine Freude ist. Sie wippen synchron mit den Telecasters, trippelnd in weißen Turnschuhen, tänzeln mit Gummibeinen, zitieren Chuck Berry und immer wieder sich selbst. Boogie, Shuffle, drei Akkorde. „Whatever You Want“. H. P. Daniels

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