Kultur : Lauter nette Leute - Homo-Hetero-Schnittmusterbogen

Jörg Königsdorf

Könnten wir jenen magischen Sprung vom Kinosessel in das Leinwandgeschehen vollziehen, wir würden ihn hier schon gleich zu Anfang wagen: mitten in die ausgelassene Party, die da zu Leos 30. Geburtstag stattfindet und mitten unter all die sympathischen Menschen, die Rose Troche uns in den ersten drei Minuten als das Komödienpersonal von "Kreuz und Queer" vorstellt. Da ist die schrille Obertucke Darren, die unsere Erwartung nicht enttäuschen wird, in jeder Szene mit noch schrilleren Klamotten aufzutauchen. Da ist der Brad-Pitt-Klon Brendan, dem wir das entscheidungsschwache Bi-Windei auf den ersten Blick ansehen. Und natürlich Leo (Kevin McKidd) selbst, der bezaubernd naive Junge von nebenan, dem der Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung so schwer auf dem Herzen lastet.

Was diesen netten Menschen passieren wird, dürfte jedem klar sein, der über ein Basiswissen an Lebenserfahrung verfügt oder zumindest einmal eine der Komödien des Homo-Hetero-Schnittmusterbogens angesehen hat. Bis Leo Brendan herumgekriegt hat, dauert es in "Kreuz und queer" allerdings eine geschlagene Filmstunde. Gefüllt wird sie vorrangig mit abgegriffenen Späßen über die esoterische Männergruppe, in der sich die beiden kennen lernen und mit einigen putzigen Sexszenen des Nebenpaares Darren-Jeremy, die es mit Vorliebe in fremden Schlafzimmern treiben. Der dünnen Story hilft das jedoch genauso wenig wie das Auftreten Sallys, die nach konsequenter Drehbuch-Dreieckslogik zugleich die Noch-oder Exfreundin Brendans und die Teenieliebe Leos ist. Aber vermutlich darf man bei lauter so netten Leuten auch keine Überraschungen erwarten.Cinemax Colosseum, Eiszeit (OV), fsk am Oranienplatz und Xenon

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