Kultur : Lautmalerei

Murnaus „Letzter Mann“ mit rekonstruierter Originalmusik

Ulrich Amling

Als die Bilder schon längst das Laufen gelernt hatten, stotterten die Töne noch lange im Kinosaal, stammelten mal Mendelssohn, mal Grieg. Nach Schlagworten suchten sich Pianisten und Kapellmeister die Musik zur Begleitung eines Films zusammen und griffen dabei gerne auf Giuseppe Becces „Kinotheken“ zurück, in denen der Komponist Musikstücke für den Einsatz im Lichtspielhaus katalogisierte. So war die Musik zum Film lange nur ein umgestürzter Zettelkasten populärer Klassik und der Versuch, ein neues Medium mit musikalischen Versatzstücken emotional in Besitz zu nehmen.

Die Murnau-Retrospektive lässt nun ein frühes Beispiel originärer Filmmusik auferstehen: Becces Komposition für „Der letzte Mann“ von 1924. Detlev Glanert hat die Partitur rekonstruiert, für Orchester bearbeitet und jene Teile einfühlsam neu komponiert, in denen Becce aus Zeitdruck auf andere Komponisten zurückgriff. Zusammen mit der restaurierten Filmfassung feierte seine vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken unter Frank Strobel live gespielte Fassung eine umjubelte Premiere in der Volksbühne. Bewusst vermied Becce die Konkurrenz zu Murnaus expressiv komponierten Bildern. Seine elegante Musik sorgt für Fluss und Bodenhaftung und unterstreicht die ironischen Momente.

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