Kultur : Lebedamen, Damenleben

Begehrliche Liebschaften: „Good Woman – Ein Sommer in Amalfi“

Daniela Sannwald

„Eine Dame“, sagt Mrs. Erlynne, „geht da hinaus, wo sie hereingekommen ist.“ Und verlässt erhobenen Hauptes das New Yorker Nobelrestaurant, in dem sie die Rechnung nicht bezahlen kann, weil ihr Galan das Konto gesperrt hat. Das waren noch Zeiten! Frauen mussten einen reichen Ehemann oder Liebhaber angeln, wenn sie gesellschaftliche Ambitionen hatten: Heiraten bedeutete relative Sicherheit, ein professionelles Geliebten-Dasein dagegen Abenteuer und Abwechslung, wobei man – in beiden Fällen – am besten nicht zu hohe Ansprüche an die wahre Liebe stellte.

„Good Woman – Ein Sommer in Amalfi“ erzählt von beiden weiblichen Lebensentwürfen – und da der Film Oscar Wildes Novelle „Lady Windermeres Fächer“ gelungen adaptiert, liefert er die Leichtigkeit, Brillanz und Ironie der Wildeschen Gesellschaftsbeobachtungen gleich mit. Mrs. Erlynne, mit Grandezza von Helen Hunt verkörpert, ist die Abenteurerin, der im New York von 1930 der Boden unter den Füßen ein wenig zu heiß geworden ist: Zu viele Schecks sind geplatzt, weil ihre Finanziers, alles gestandene Ehemänner, immer dann knauserig werden, wenn sie ihrer überdrüssig geworden sind oder die Gattinnen die Liaison entdeckt haben. Also geht sie dahin, wo sie neue Geldquellen zu entdecken hofft: nach Amalfi. In dem eleganten Badeort will eine internationale Clique sich eine Saison lang amüsieren.

Ihre Gegenspielerin ist die junge, schöne Mrs. Windermere, über die Maßen glücklich mit ihrem frisch angetrauten, reichen Ehemann. Scarlett Johansson, wie immer anzüglich-unschuldig, scheint diese Rolle auf den Leib geschrieben. Aber naiv ist sie: Sie ahnt noch nicht, dass aus Verliebtheit Langeweile werden kann und dass Männer, auch verheiratete, zur Polygamie neigen. „Polygamie heißt, dass man mindestens eine Frau zu viel hat“, sagt ein Amalfi-Tourist, der es wissen muss. „Monogamie heißt das gleiche“, kontert ein anderer.

Regisseur Mike Barker hat die Handlung der 1895 erstveröffentlichten Novelle um 35 Jahre in die Zukunft verlegt – ein Kunstgriff, der nicht nur der Modernität des in Lebensführung und -betrachtung seiner Zeit weit vorauseilenden Autors Oscar Wilde gerecht wird, sondern auch beide Frauenfiguren stärkt. Denn es sind die Frauen, die das Spiel in der Hand haben, auch wenn sie es, wie Mrs. Windermere, noch nicht ahnen. Die Männer dagegen wähnen sich selbst dann noch weit überlegen, wenn sie bereits am Nasenring herumgeführt werden.

An Locations, Ausstattung, Kostümen und Casting bis in die Nebenrollen hinein gibt es nichts auszusetzen, „Good Woman“ ist ein mit eleganter Beiläufigkeit inszenierter Film, der mit Helen Hunt und Scarlett Johansson zwar zwei Stars präsentiert, aber wenig Aufhebens davon macht. Auch dies wohl eine Hommage an Wilde: In dessen Universum gab es ohnehin nur Stars. Dass sie ohne Rupert Everett auskommt, ist das einzige Manko an dieser amüsanten, kleinen Gesellschaftsstudie.

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