Kultur : Leben, lieben, fummeln

Uwe Friedrich

So viele Anzugmenschen und Abendkleidträgerinnen können einfach nicht zum Ensemble Modern wollen! Und richtig, im Großen Saal des Konzerthauses am Gendarmemarkt nehmen die Festwochen der Staatsoper mit Brahms ihren Lauf. Dagegen wirkt das vergleichsweise kleine Häuflein Fans der Moderne nebenan im Kleinen Saal charmant abgetakelt in Jeans und Strickpulli. Hier soll die Musik auch Spaß machen, während sie zum Nachdenken anregt.

Steve Martland erinnert an John Lennon mit sieben Instrumenten, denen er auf rhythmisch scharfer Grundierung immer wieder schwebende Klänge entlockt. Klavier und Glockenspiel, Glasharfenklänge mit Streichflageolett kombiniert sorgen für unwirkliche Sphären.

Ähnliche verstörende Wirkung erzielt Iannis Xenakis mit völlig anderen Mitteln in "Rebonds" für Schlagzeug solo. Der exzellente Rainer Römer entwickelt die Trommelschläge mit Atem und Herzschlag und erreicht damit ein Universum zwischen Leben und Liebe, Atemnot und Herzrhythmusstörung. Motivfetzen, Verzögerungen und Zeitstauungen machen das Stück zum Kulminationspunkt des Programms, an dem sich die anderen Werke messen lassen.

Mit seinem kleinteiligen Gefummel nimmt sich Michael Gordons "ACDC" dagegen aus wie eine unfreiwillige Parodie minimalistischer Kompositionen. Rhythmischer Fitzelkram macht dem Pianisten das Leben schwer, bleibt aber eher zu sehen als zu hören. Am Schluss zieht Gordon die Notbremse und bringt das Stück zu einem abrupten Halt.Elliott Carters "Triple Duo" dagegen atmet heitere Gelassenheit. Mit klassischem Formbewusstsein und angemessener Eleganz leitete Dirigent Franck Ollu die recht fidele Kommunikation unter den Instrumenten an.

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