Kultur : "Leben und Lieben in L. A.": Hochglanz-Gefühl: ein Film von Willard Carroll

Carla Rhode

Plötzlich ist sie da, aber schon verschwindet sie wieder. Man möchte sie festhalten - nur wie? Liebe erlebt jeder anders. Sie ist ein leidenschaftliches Gefühl und sie gibt das Bewusstsein von Nähe und Geborgenheit: Mit beidem richtig umzugehen, ist ein herausforderndes Spiel (worauf der Originaltitel des Films, "Playing by Heart", anspielt). Das älteste Spiel der Welt: Wer es gewinnt, gewinnt alles.

Formal lehnt sich Willard Carrolls Schauspieler-Film an Robert Altmans "Short Cuts" an. Mehrere Erzählstränge werden um etwa ein Dutzend Personen herum arrangiert und allmählich miteinander verwoben. Hannah (Gena Rowlands) und Paul (Sean Connery) sind das älteste Paar dieses Figurenarsenals. Ihre vierzigjährige Ehe hat manchen Sturm überstanden, nun droht eine weit zurückliegende Affäre die Harmonie zu zerstören. Können Misstrauen und Eifersucht ihr gemeinsames Leben in Frage stellen? Ihre Töchter, gespielt von Madeleine Stowe, Gillian Anderson und Angela Jolie, und deren Freunde und Partner (Dennis Quaid, Anthony Edwards, Jon Stewart und andere) üben sich ebenfalls in der Bewältigung von Krisen - und auf wundersame Weise fügt sich alles zu einem märchenhaften Happyend.

So weit also gehen die Gemeinsamkeiten mit Altmans zynischer Beziehungsstudie denn doch nicht. Wo Altman menschliche Schwächen und Bosheiten entlarvte, blickt Carroll lieber milde auf seine in Gefühlswirren zappelnden Figuren. Und schaut arg sorgfältig vor allem auf ihre Hochglanz-Wohnverhältnisse - leider dabei ganz ohne Interesse fürs Milieu.

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