Kultur : Lebensliebe

„Malakhov & Friends“ in der Deutschen Oper

Sandra Luzina

Im blauen Umhang stürmt er auf die Bühne, um gleich wieder umzukehren. Er wird es sich doch nicht anders überlegt haben? Nein, es ist nur ein kurzes Zögern – dann gibt Romeo sich ganz der Macht der Gefühle hin. Vladimir Malakhov wirkt bei seinem ersten Auftritt ergriffen. An diesem Abend gilt es nicht allein den ersten Liebesüberschwang auszukosten, sondern das Glück einer großen Tänzerkarriere.

20 Jahre tanzt Malakhov über die Bühnen der Welt, mehr als die Hälfte seines Lebens. Dieses Jubiläum feiert er mit einer exklusiven Ausgabe der Gala „Malakhov & Friends“ in der Deutschen Oper Berlin. Die Stargäste kommen diesmal vom American Ballet Theatre, vom Tokyo Ballet und vom Hamburg Ballett. Das ergibt spannende Paarungen, etwa wenn die strahlende Polina Semionova in der Ballett-Ausgrabung „Diana und Aktaeon“ den New Yorker Darling José Carreno becirct, der eine faunische Sinnlichkeit ausstrahlt und der zudem durch das knappste Kostüm auffiel. Oder wenn Malakhov der ätherischen Julie Kent vom American Ballet Theatre in der Balkonszene von MacMillans „Romeo und Julia“ einen ersten zarten Kuss gibt.

Überhaupt bewies Malakhov Geschick in der Damenwahl. Der Höhepunkt des Abends ist Maurice Béjarts Ballett „Serait-ce la mort“ von 1970. Das Werk entstand zu den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss, die hier von der wunderbaren Carola Höhn interpretiert wurden. Malakhov wird von Nadja Saidakova, Polina Semionova, Beatrice Knop und Shoka Nakamura, den vier herausragenden Solistinnen des Staatsballetts, umgarnt – eine Traumbesetzung! Er ist der Wanderer, der sich auf der Schwelle des Todes an die Frauen seines Lebens erinnert. Zwischen Heiterkeit und Melancholie bewegen sich die entrückt-schönen Pas de deux. Doch es wartet schon die strenge Beatrice Knop als Todesbotin, umfängt ihn, zieht ihn hinab, mit ihr vereint er sich in einem letzten Kuss. Raffiniertes Linienspiel, ornamental verschlungene Körper – die Choreografie balanciert haarscharf an der Grenze zum Kitsch, ist aber dank der vorzüglichen Tänzer ungemein bewegend.

Wieder am 30. Januar, 2. und 4. Februar sowie 22., 25., 29. und 31. März.

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