Kultur : Leberwurst fürs Glück

Deutscher Film 2: Michael Hofmanns „Eden“

Sebastian Handke

Plötzlich steht die Frau in seiner Küche. Dem Koch ist das nicht recht. Er reicht ihr eine Portion zum Probieren und bittet sie, verschwunden zu sein, wenn er aus dem Weinkeller zurück ist. Als er wiederkommt, hängt sie gierig schlingend über dem Topf. Was hat die zurückhaltende Frau so in Rage versetzt? Stierhoden. Von einer halben Herde, um genau zu sein.

Liebe im Film braucht einen Auslöser – einen Blick, einen Brief, ein Wort, eine Tat. Stierhoden waren noch nicht oft dabei. Aber es ist ja auch keine normale Liebe, sondern jene zwischen Gregor (Josef Ostendorf) und Eden (Charlotte Roche). Der sonderliche Meisterkoch (Eigengewicht 137 Kilo) zelebriert in einer Kurstadt im Schwarzwald seine „cucina erotica“. Das Restaurant hat drei Tische, es ist ausgebucht bis nächsten Februar. Nach dem Zwischenfall mit den Stierhoden wird die zarte, leicht verhuschte Eden zum Stammgast, und zur neuen Muse des scheuen Genies. Dass sie auch zu ihm käme, wenn es Leberwurst auf Brot gibt, sagt sie einmal. Eine Woche später überrascht Gregor sie mit einer Leberwurst, so gut, dass es nicht zu fassen ist. Jeden Dienstagabend wird er sie mit improvisierten Rezepten beglücken – eine zarte, aber handfeste erotische Beziehung, ohne Berührung, fast ohne Worte, aber voll gierig ausgelebter Befriedigung.

Gregor blüht auf. Eden blüht auf. Ihre Ehe mit Xaver (Devid Striesow) auch. Und da beginnt das Problem. Xaver blüht nämlich nicht auf. Die aphrodisierende Wirkung von Gregors Genüssen hat zur Folge, dass Eden endlich wieder schwanger wird. Von Xaver. Aber von Gregor dann ja irgendwie auch. Eine menage a trois, und im Dorf geht so was selten gut.

Über weite Strecken ist „Eden“ ein wirklich schöner Film. Es herrscht eine verhaltene, märchenhafte, etwas skurrile Atmosphäre. Der Koch und seine Muse haben beide ein Restgeheimnis, von dem der Zuschauer nichts erfahren wird. Einen solchen Film zu einem Abschluss zu bringen ist nicht einfach. Michael Hofmann („Sophiiie!“) entscheidet sich leider für den einfachsten Weg – und zerstört beinahe alles. Was so behutsam begann, nimmt kurz vor Schluss Fahrt auf und mündet sehr unglücklich in ein Dorfdrama von der Fernsehfilm-Stange – ein vulgärer Abgang für ein ansonsten gelungenes Bouquet.

Josef Ostendorf ist großartig in der Rolle des Kochs. Die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche ist zwar keine Schauspielerin. Das muss sie aber auch nicht – es genügt, dass sie zu strahlen, seufzen und lächeln weiß.

Broadway, Cinemaxx Potsdamer Platz, Kulturbrauerei, Neue Kant Kinos, Passage

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