Kultur : Leichten Fußes den Olymp erklommen

ECKART SCHWINGER

Wer auf Platz eins der Klassik-Hitliste landet, der könnte den Eindruck erwecken, er füttere sein Publikum mit Ohrwürmern.Davon war im Programm, das Emmanuel Pahud, der Soloflötist der Berliner Philharmoniker, und sein französischer Klavierpartner Eric le Sage im Kammermusiksaal präsentierten, ganz und gar nichts zu entdecken.Was sie mit phantastischer Brillanz bescherten, war alles andere als effektheischend und bewegte sich musikalisch und spieltechnisch auf höchstem Niveau.Zusammen mit dem vibrierend farbvoll und zugleich auch sehr flexibel musizierenden Pianisten zeigte Pahud, daß er alte wie neue Musik in einem leidenschaftlichen Wechselspiel mit großer Eleganz, mit geistreicher Artistik und geradezu suggestiver Intensität aufzublättern weiß.Die blitzgescheit aufgebauten, geradezu bildhaft in Szene gesetzten, so aufregend nuanciert wie rasant gespielten Werke von Poulenc, Pierre Sancan, Mozart, Weber und Jolivet strahlten eine unverwechselbar eigene Klangatmosphäre aus.Bei Mozart schimmerte das Kantilenenspiel in märchenhaften Facetten bis in die sonoren tiefen Register hinein.Die lebendige Artikulation, die sinnvoll ausbalancierte Phrasierung und die überraschenden dramatischen Zuspitzungen ergaben eine ganz ungewöhnlich schöne Interpretation.Bei Webers As-dur-Sonate op.39 war im Menuetto das "capriccioso" bis zum Äußersten hochgetrieben und das "grazioso" im Rondo von so hinschmelzender Leichtigkeit, daß es auch da nicht an interpretatorischen Überraschungen fehlte.Auch dabei nahm Pahud nicht zuletzt durch die sinnenhaft strahlenden Klangzaubereien, die verschwenderich reiche Klangpalette für sich ein.Und da konnte man auch hören, wie sehr sich Pahud von dem nicht minder renommierten französischen Flötenvirtuosen Patrick Gallois unterscheidet, der kürzlich im Konzerthaus mit einem überaus feinziselierten, bisweilen fast schmerzhaft aufgehellten Klangstil hervortrat.Bei der Poulenc-Sonate und dem ekstatischen "Chant de Linos" von Jolivet schienen Emmanuel Pahud und Eric le Sage den Olymp zu erklimmen.Da verschlug das traumhafte Schweben und Verschweben der Töne, das spannungsreiche Schattieren, die immer wieder aufbrechende feurige Bravour, die bis in dynamische und technische Grenzbereiche vorstieß, dem Publikum schon mal den Atem.

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