Kultur : Leichtfertig

Die Philharmonischen Geiger tanzen im Kammermusiksaal

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Wie ein gutes Schwein sieben Sorten Wurst ergibt, so sollte sich auch aus einem guten Orchester mehr als eine kammermusikalische Formation extrahieren lassen. Besonders erfolgreich sind in dieser Hinsicht die Berliner Philharmoniker: Seit sich deren „Zwölf Cellisten“ in die Klassik- und Crossover-Charts spielten, gehen auch andere Instrumentengruppen unter dem philharmonischen Gütesiegel eigenständig auf Hörerfang. Die künstlerische Ausbeute dieses Tuns ist jedoch unterschiedlich. Während die zwölf Cellisten mit virtuoser Ironie im Revier der ersten Geigen wildern und die leider nicht ganz so bekannten acht Hornisten das volle groteske Kapital aus ihrer Besetzung schlagen, scheinen die Philharmonischen Geigen ihr Bestehen doch eher kommerzieller Inspiration zu verdanken.

Wenn das Ensemble nun im Kammermusiksaal unter anderem mit Brahms’ Ungarischen Tänzen, Bachs d-moll Doppelkonzert oder Pachelbels unkaputtbarem Kanon das Bekannteste vom Bekannten in kulinarischem Geigensound präsentiert, dann macht es sich mit dem Erfolg zumindest sehr leicht. Allzu einfach machten es sich auch die Bearbeiter, wenn sie den zehn Geigen zur Verstärkung in den tiefen Lagen schlicht ein Klavier zur Seite stellen. Zwar gibt es besonders in Gerhard Tittels Arrangements immer wieder Passagen, in denen es den Rang eines gleichwertigen Partners einnimmt. Oft musste es bei dieser unglücklichen Kombination aber so scheinen, als werde hier der Einfachheit halber das fehlende Orchester im Klavierauszug ergänzt.

Alles in allem sind Ensemble und Arrangeure der Philharmonischen Geigen viel zu erfahren, als dass sie nicht sogar aus ausgelutschten Klassikern noch Honig zu saugen wüssten. Doch von der Anmutung einer Riege geklonter Stehgeiger sollte sich das Ensemble künftig deutlicher abgrenzen – oder ironischer mit ihm spielen. Carsten Niemann

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