Kultur : Leidenschaftliches Trommelfeuer

ROMAN RHODE

Schon zu Beginn, als alle vier Congas vor der hühnenhaften Gestalt des Perkussionisten wie Kegel auf die Bühne rollten, war klar, welche Kraft dieses Konzert vorantreiben würde: unerbittlicher Rhythmus.David Sánchez hatte, neben Flügel und Kontrabaß, schweres Geschütz aufgefahren.Noch ein Schlagzeuger, vorsorglich mit Stöpseln in den Ohren, verlängerte die bauchige Wand aus Congas und Timbales.Auch Sánchez, eigentlich Saxophonist, griff immer wieder zu Trommelstock und Doppelglocken.Immerhin hatte er, noch in Puerto Rico, Conga gespielt, lange bevor er mit 12 Jahren zu seinem heutigen Instrument wechselte.Als er 1988, zwanzigjährig, nach New York kam, bließ er sein Saxophon bereits so ausgereift, daß ihn Eddie Palmieri und Giovanni Hidalgo begeistert mit auf Tour nahmen.Zwei Jahre später entdeckte ihn Dizzy Gillespie, holte ihn als jüngstes Mitglied in sein United Nation Orchestra."Er weiß, wohin er geht und wo er herkommt", lautete Dizzys Diktum.Vielleicht aber hat vor allem die Erfahrung in Roy Hargroves Afro-Cuban-Projekt Sánchez dazu bewogen, selber wieder sein Herkunftsland aufzusuchen.So ist Puerto Rico, mit seinen vertrackten Plenas und butterweichen Balladen, derzeit das Thema des Musikers."Obsesión" heißt der Titel seines neuen Albums.

Im Quasimodo verzichtete er auf das orchestrale Gewand der Studio-Arrangements und erschien, das war besser, mit dem harten Kern.Live nutzt das Quintett jede erdenkliche Möglichkeit zur Improvisation, zum Ulk, zu hitzigen Dialogen.Noch einmal sollte eine Conga umkippen, Teil der Show, ansonsten hielt die perkussive Schwerkraft der Band sogar die Leichtigkeit brasilianischer Kompositionen dicht am Boden.Und Sánchez brachte sein Sopran- und Tenorsax so präzise wie leidenschaftlich durch das Trommelfeuer.

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