Kultur : Leinwand, dein Lichterglanz

Silvia Hallensleben

hat zu Weihnachten Lust auf anderes Dieser Tage zeigte 3sat ein Fernsehspiel, in dem Held und Heldin – beide traurigst vereinsamt – sich am Weihnachtsabend vor einem heruntergelassenen Kinogitter begegnen, um nach einigen filmüblichen Wirren gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Doch wer sagt denn, dass nur einsame Menschen zu Weihnachten außerhäuslichen Filmgenuss begehren, während der Rest der Welt glücklich vor der Flimmerkiste sitzt? Wie herrlich, sich in himmlischer Ruhe die verpassten Filmstarts der letzten Monate reinzuziehen! In den großen Kinocentern wird durchgespielt bis Silvester, in den Programmkinos ist die Lage unterschiedlich. Während Arsenal und Babylon, Acud und Lichtblick geschlossen haben, liefern etwa fsk oder Sputnik am Südstern normales Programm. Und in der Brotfabrik lässt sich bis Mittwoch der erste Film von „Schau mich an!“-Regisseurin Agnès Jaoui nachholen, der 1999 ihren Ruf als intelligente Humoristin sozialer Differenz begründet hat. Auch nach fünf Jahren ist Lust auf Anderes immer noch eine attraktive Alternative zum Gabentisch. Die radikalste Lösung für Heiligabend bietet das Filmtheater am Friedrichshain, wo eine Heilige Sneak-Preview-Nacht sechs Arthouse-Produktionen von 2005 vorstellt. Doch los geht’s in den Heiligen Abend oft mit nachmittäglichen Bescherungsvorstellungen: Der tschechische Märchenfilm Drei Nüsse für Aschenbrödel (1973) von Václav Vorlicek läuft im Union-Filmtheater in Friedrichshagen – und danach statt Geschenke-Rausch ein Spaziergang zum Müggelsee!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben