Leipziger Buchmesse : Sinnsuche mit Immendorff

Bei der Leipziger Buchmesse hat heute eine mit 25 Werken des schwer kranken Düsseldorfer Künstlers Jörg Immendorff illustrierte Bibel Premiere.

Leipzig - «Er hat dafür aus seinem Fundus Arbeiten ausgesucht, die etwas mit Sinnsuche zu tun haben», sagte der Chefredakteur der «Bild»-Zeitung, Kai Diekmann, bei der Präsentation im Museum der bildenden Künste. Die Gemälde und Arbeiten auf Papier entstanden zwischen 1967 und 1998. Herausgeber des 1000 Seiten-Werkes sind neben «Bild» der Club Bertelsmann und das Gütersloher Verlagshaus. Das 2,5 Kilogramm schwere, in Lederoptik mit Goldprägung gebundene «Buch der Bücher» ist von Dienstag an für 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

«Mein erster Reflex war, passt das?», sagte Immendorff in einem bei der Vorstellung gezeigten Film. Der Maler selbst konnte wegen seiner Krankheit nicht nach Leipzig reisen. «Durch die Sinnsuche, die sich auch wie ein roter Faden durch mein Werk zieht, war es spannend, Parallelen zu entdecken.» Die Bibel sehe er als Hinterlassenschaft und Geschenk. Begleitet von seinen Bildern lade sie ein zu einer abenteuerlichen Reise, «bei der sich Türen und Fenster öffnen und keine feste Lösung präsentiert.» Jeder trage in sich die Möglichkeit, neue Sichten zu wagen auf alltägliche Dinge, die Begegnung mit Kunst könne den Menschen dabei helfen. «Ich würde mich freuen, wenn die Bibel großen Zuspruch bekommt und es gelänge, dass die Menschen dadurch zu sich selbst finden.»

Assoziation statt Illustration

Für den Berliner Kulturmacher Peter Raue ist es eine «klassische herrliche Familienbibel». Immendorffs Bilder seien keine Illustrationen, die das Geschehen der Bibel widerspiegelten, sondern Assoziationen. «Immendorf wollte immer die Kunst vom Podest holen und ins Volk bringen.» Auf einem faszinierenden Umweg sei nun ein «Himmelsgeschenk» für den einstigen Schüler von Joseph Beuys gelungen. Das letzte Werk stamme aus der Zeit, wo er schon nicht mehr selbst malen konnte, sagte Raue.

Die vorläufige Auflage der Sonderausgabe der «Heiligen Schrift» liegt bei 100.000 Exemplaren. Laut Diekmann soll das Buch anregen, sich mit Fragen über Gott und den Menschen, über Glaube und Erlösung auseinander zu setzen. Immendorff (60) gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler in Deutschland. Er war im Jahr 2003 aber auch wegen eines Sex- und Drogenskandals in die Schlagzeilen geraten. (tso/dpa)

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