Leipziger Buchpreis 2016 : Historiker Heinrich August Winkler wird ausgezeichnet

Heinrich August Winkler bekommt für seine "Geschichte des Westens" am 16. März in Leipzig den Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

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Heinrich August Winkler, hier 2014 auf der Frankfurter Buchmesse, wird im März mit dem renommierten Leipziger Buchpreis ausgezeichnet. Foto: dpa
Heinrich August Winkler, hier 2014 auf der Frankfurter Buchmesse, wird im März mit dem renommierten Leipziger Buchpreis...Foto: dpa

Die Wahl ist naheliegend, sehr berechtigt, aber nicht übermäßig originell, insbesondere nicht nach den Entscheidungen der vergangenen Jahre, als der rumänische Schriftsteller Mircea Catarescu, der indische Essayist Pankaj Mishra oder der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wurden.

Diesen Preis bekommt nun 2016 der emeritierte Berliner Historiker Heinrich August Winkler. Und zwar für seine vierbändige „Geschichte des Westens“, die Winkler dieses Jahr mit dem Band „Die Zeit der Gegenwart“ abgeschlossen hat. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, „dass Winkler mit Augenmaß, enormer Sachkenntnis und singulärer Forschungsakribie“ westliche Werte beschrieben und gedeutet habe, Werte wie die Prinzipien der unveräußerlichen Menschenrechte, der Gewaltenteilung, der Volkssouveränität, der Herrschaft des Rechts und der repräsentativen Demokratie. Der entscheidende Jury-Satz folgt am Ende ihrer Begründung: „Indem dieses Werk an die Strahlkraft des westlichen Projekts erinnert und dessen heutige Geltung immer wieder aufs Neue bekräftigt, ist es unverzichtbar gerade in Zeiten, in denen die Werte des Westens fragiler und angefochtener erscheinen denn je.“

Die Menschen- und Freiheitsrechte der Jahre 1776 und 1789 haben für Winkler globale Gültigkeit

Der Westen, das „normative Projekt des Westens“, wie Winkler es nennt, die Menschen- und Freiheitsrechte der Jahre 1776 und 1789, denen er globale Gültigkeit attestiert – all das ist gerade in den vergangenen zwei Jahren mehr denn je unter Druck geraten. Durch den Konflikt in der Ukraine einerseits, den Vormarsch des IS in Syrien und im Irak andererseits, einschließlich des IS-Terrors überall auf der Welt. Das mag die Jury des Leipziger Preises bewogen haben, den traditionell mehr dem Osten zugewandten Preis einmal eine entgegengesetzte Richtung zu geben, eine brennend aktuelle dazu. Zumal Winklers „Geschichte des Westens“ stets auch von den weltpolitischen Gegenspielern handelt, von Mächten, die auf den Westen einwirkten oder von diesem beeinflusst wurden.

Die Laudatio auf Winkler wird der Historiker und Schriftsteller Volker Ullrich halten

Winkler, 1938 im ostpreußischen Königsberg geboren, erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen auch das Bundesverdienstkreuz. Er ist ein Historiker, der sich gerne öffentlich zu Wort meldet. Am 8. Mai dieses Jahres hielt er im Bundestag die Rede zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Bundestag gesprochen, und vor kurzem sagte er im Tagesspiegel-Interview hinsichtlich der Pegida-Umtriebe: „Pegida vertritt eine Ideologie, die Deutschland schon einmal in die Katastrophe gestürzt hat. Sie tritt in die Fußstapfen der deutschen Rechten im wilhelminischen Kaiserreich und in der Weimarer Republik, die in der westlichen Demokratie etwas ,Undeutsches’ sah und sie deshalb ablehnte.“
Heinrich August Winkler wird den Preis zur Europäischen Verständigung am 16. März bei der Eröffnung der Leipziger Buchmesse entgegennehmen. Die Laudatio hält der Historiker und „Zeit“-Redakteur Volker Ullrich.

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