Kultur : Leipziger Buchpreis für Drakulic

Zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse hat die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulic den mit 10.000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Die Buchbranche zeigte sich zu Beginn der Messe optimistisch.

Leipzig (16.03.2005, 22:55 Uhr) - Der frühere EU- Administrator in Bosnien, Hans Koschnick, würdigte das Engagement der Schriftstellerin für Wahrheit und Gerechtigkeit. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verwies auf die Bedeutung der Literatur für die Vermittlung von Werten und die europäische Verständigung. Bis zum Sonntag präsentieren 2142 Verlage und Editionen aus 31 Ländern ihre Frühjahrsprogramme und -Neuerscheinungen.

«Wir ehren eine couragierte Schriftstellerin, die in überzeugender Weise aufbegehrt gegen integrationsfeindliche Politik und mörderische Gewalt», sagte Koschnik. Der SPD-Politiker dankte ihr für ihr «aufrüttelndes Engagement gegen eine Vertuschung von Unrecht und Gewalt». Er mahnte zugleich die Völker, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und ihre Geschichte kritisch aufzuarbeiten. Frieden verlange mehr als Diplomatie und Waffen-Schweigen, er bedinge ein von den Menschen gewolltes gewaltfreies Zusammenleben. Der Preis wird seit 1994 von der Stadt Leipzig, dem Freistaat Sachsen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben.

Milbradt beklagte eine «kollektive Rücksichtslosigkeit» in Deutschland und forderte eine Wiederbelebung der zentralen Werte einer Gesellschaft. «Anstand und Fairneß müssen wieder zur Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland und Europa werden». Die Literatur spiele dabei und bei der europäischen Verständigung eine wichtige Rolle. Die Zukunft der Union sei davon abhängig, ob die Europäer zu Verständigung, Experimenten und fruchtbarem Wettbewerb um die besten Ideen bereit seien. «Oder ob wir uns als Club der Besitzstandswahrer begreifen, die Veränderungen nur als störend empfinden.» Deutschland sollte sich von Optimismus und Tatkraft in Osteuropa anstecken lassen, zu experimentieren und auch Risiken einzugehen.

In einem Interview mit der Deutschen Welle hatte Slavenka Drakulic die Entscheidung der EU-Außenminister gegen Beitrittsverhandlungen mangels Zusammenarbeit Kroatiens mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bedauert. Ein Beitritt zur EU habe starken symbolischen Charakter für Länder wie ihres. Koschnick forderte die internationale Gemeinschaft auf, der Justiz weiter die für die Aufklärungsarbeit erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen und die Regierungen der südosteuropäischen Staaten nicht aus der Verpflichtung zu entlassen, Anklagebehörden und Gerichte zu unterstützen.

Europas größtes Lesefestival «Leipzig liest» war am Abend im unterirdischen Tresorraum einer Bankfiliale gestartet. Hinter Zentimeter dicken Stahltüren weihte der Wirtschaftsjournalist Klaus W. Bender die Besucher in einige Geheimnisse der Banknotendrucker ein und las aus seinem Buch «Geldmacher. Das geheimste Gewerbe der Welt» (Wiley-Verlag). Bis zum Sonntag bietet der viertägige Lesemarathon mehr als 1500 Veranstaltungen an mehr als 200 Orten wie Cafés und Clubs, Theater und Buchläden sowie Kirchen und Museen. (tso) ()

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