Kultur : Leiser Schmerz

Quasthoff und Barenboim berühren in der Staatsoper

Sybill Mahlke

Intendant Peter Mussbach spricht vom Geist der Geschichte, der mittels des Buches „lebendig zu uns herüberdringt“. Denn Thomas Quasthoff und Daniel Barenboim haben in die Berliner Staatsoper geladen, um der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek ein Benefizkonzert zu widmen. Das Haus ist voll, der Erlös inklusive Gagen den Schätzen des Geistes bestimmt, die nach dem Brand zu retten sind. Die Liebe zu den Büchern trifft auf Robert Schumanns „Dichterliebe“.

Für seine Beethoven- und Bach-Projekte muss Barenboim derzeit viele Stunden am Klavier sitzen. Da geht ihm die Poesie der Romantik zart von der Hand. Die geistige Innigkeit dieses Musizierens kommt der Interpretation des Sängers entgegen. „Das Lied der Nachtigall“ – ein Pianoausklang, mit dem Quasthoff ins Pianissimo des Nachspiels führt, ein nostalgisches Gegenbild der realen Welt. In Heines Antagonismus von Emotion und Ironie setzt der Gesang mit der schönen Stimme auf Zurückhaltung. Seine Wunder entfalten sich besonders in den Regionen des Leisen, wo auch „von wildem Schmerzensdrang“ als Nachhall zu singen ist. Standing Ovations nach den „Ernsten Gesängen“ von Brahms mit dem Klanghöhepunkt auf dem Wort „Liebe“. Gemäß Übereinkunft beider Künstler will dieses Finale keine Zugaben.

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