Kultur : Leises Servus

Christina Weiss verleiht die Kurzfilmpreise

Christina Tilmann

Der schönste Kurzfilm dauerte acht Minuten. Und er hieß nicht wie der Preisträgerfilm von Heiko Hahn „Vorletzter Abschied“, sondern: Letzter Abschied. „Heute absolviere ich, so darf man vermuten, meinen letzten öffentlichen Auftritt als Staatsministerin für Kultur und Medien“, erklärte Christina Weiss deutlich bewegt zur Eröffnung der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises. Der minutenlange Applaus zeugt davon, wie sehr diese Staatsministerin sich in ihren drei Amtsjahren die Wertschätzung der Kulturszene erworben hat.

Dass der letzte Auftritt einer in Sachen Film ist, passt genau. Auf diesem Gebiet kann die Staatsministerin die meisten Erfolge verzeichnen: Novellierung des Filmförderungsgesetzes, Aufwertung der Berlinale durch den europäischen Filmmarkt, Reform des deutschen Filmpreises oder die verschiedenen Förderprogramme. Nicht alle Maßnahmen waren unumstritten, viele in der Branche nur mühsam durchzusetzen. Die Bilanz ist gleichwohl glänzend.

Bilanz und Blumen also, und einige Worte zur persönlichen Zukunft der Staatsministerin: Sie werde sich, nach nunmehr 15 Jahren, wohl aus der Politik zurückziehen, verriet Christina Weiss, doch aus der Kultur – niemals. Wenn es einen Traum für ihre Zukunft gebe, dann den: genug Zeit zu haben, um über die kompliziertesten Kunstwerke verständliche Texte zu schreiben. Die dicken Bücher, die daraus entstehen könnten, bekam sie gleich symbolisch überreicht, in Form einer Buchattrappe.

Dass die Kurzfilmpreisverleihung – wie auch die Drehbuch- und Innovationspreise am Abend zuvor – in diesem Jahr in Potsdam an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ gefeiert wurde, ist ein Novum und soll in den kommenden Jahren an anderen deutschen Filmhochschulen fortgesetzt werden. Ein passender Ort: Ein Kurzfilm ist oft der erste Schritt von Hochschulabsolventen. Die Mehrzahl der nominierten Filme stammt aus Hochschulkreisen, zwei der fünf Preisträger sind in Potsdam ausgebildet worden. Ein junges und gleichzeitig besonders altes Medium also. Ein Zufall, dass auffallend viele Filme in diesem Jahr sich mit Alter und Altersgebrechen beschäftigen?

So zeigt der mit dem Filmpreis in Gold (30000 Euro) ausgezeichnete 21-Minüter „Vorletzter Abschied“ von Heiko Hahn sehr diskret die Trennung einer langjährigen Ehe: Sie ist an Alzheimer erkrankt, erkennt den Ehemann nicht mehr, bis er sich entschließt, sie in ein Pflegeheim zu geben. Intimität und taktvolle Distanz, kleine, zärtliche Gesten und mutige Themenwahl zeichnet auch „Female/Male“ von Daniel Lang aus, Gewinner in der Sektion „Spielfilm bis 7 Minuten“. In sorgsam stilisierten Schwarz-Weiß-Bildern zeigt er eine Liebesszene zwischen zwei alten Menschen. „Mast Qalandar“ von Till Passow, Gewinner der Sektion Dokumentarfilm, beobachtet muslimische Pilger auf der Reise. Umstrittener die Juryentscheidung im Bereich „Animationsfilme“. Man könne unter den beiden Nominierten keinen klaren Gewinner erkennen, so Jurysprecher Lars Hendrik Gass, und wolle daher den Preis nicht verleihen. Ein Trost: Schon die Nominierung war mit je 12500 Euro dotiert.

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